Ausgabe: 05 / 2009
Seite: 82-84

Eine Sinfonie aus Bau und Bildern

Von Claudia Bodin

Das Guggenheim-Museum feiert seinen Erbauer zum 50. Jubiläum des Hauses

NEW YORK: FRANK LLOYD WRIGHT

Angefangen hatte es mit einem Brief von Hilla von Rebay. Die Kunstberaterin von Solomon R. Guggenheim fragte Frank Lloyd Wright (1867 bis 1959) im Juni 1943, ob er ein Museum für Guggenheims wachsende Sammlung errichten wolle. Damit begann ein jahrelanger Kampf, bei dem sich der eigensinnige Wright mit seinem Auftraggeber, mit der Stadtverwaltung und der Kunstwelt anlegte. New York City hielt der Architekt für den denkbar schlechtesten Standort für ein Museum. Seiner Meinung nach war die Stadt zugebaut, übervölkert und stand nicht gerade für architektonische Höchstleistungen. Sowohl Wright als auch sein Auftraggeber Guggenheim starben, bevor ihr Museum im Jahr 1959 fertiggestellt wurde.

Zum 50-jährigen Bestehen des Schneckenhauses, das kürzlich für 29 Millionen Dollar restauriert wurde und einen neuen, umstrittenen hellgrauen Anstrich bekam, widmet das Guggenheim dem Architekten eine große Ausstellung: "Frank Lloyd Wright: From Within Outward".

In der Rotunde, die Kritiker immer wieder als schwierigen Ausstellungsort bemängelten, werden nun 64 von Wrights eigenen Projekten präsentiert. Darunter sein Unity Temple in Illinois, sein Privathaus "Taliesin" in Wisconsin und seine Ideen für ein neues Kulturzentrum in Bagdad. In den fünfziger Jahren war Wright neben anderen führenden Architekten für das Projekt in den Irak eingeladen worden, doch die Baupläne, unter anderem für ein kurvenreiches Opernhaus, wurden mit dem Sturz der Regierung 1958 zunichte gemacht.

Mehr als 200 Originalzeichnungen, Fotos, Briefe, Grafiken und Videos sollen die Visionen des Architekten erklären, der als Vordenker der Frühmoderne und Mitbestreiter der Idee der organischen Architektur gilt, bei der sich ein Bauwerk in seine natürliche Umwelt eingliedern soll.

Für viele verkörpert Wright mit seinen charakterstarken Bauten auch heute noch den spirituellen Gegenpart zu all den Architekten, die mit ihren pragmatischen, anonymen Kästen die Metropolen bevölkern.

Kritikern, die ihm vorwarfen, mit seinem Guggenheim-Museum die Kunst übertrumpfen zu wollen, entgegnete der Architekt: "Im Gegenteil, Gebäude und Gemälde werden eine ununterbrochene, wunderschöne Sinfonie sein, wie sie niemals zuvor in der Welt der Kunst existiert hat." Termin: 15. Mai bis 23. August. Kataloge: Verlag Skira/Rizzoli, 45 Dollar; "The Guggenheim: Frank Lloyd Wright and the Making of the Modern Museum", 40 Dollar. Internet: www.guggenheim.org

Bildunterschrift:

Wright auf der Guggenheim-Baustelle (1959)

Entwurfszeichnung (66 x 100 cm) für das Guggenheim-Museum in New York, Tinte und Farbstift

Wrights Villa "Fallingwater" (1936/39) in den Allegheny Mountains nahe Pittsburgh