Ausgabe: 04 / 2009
Seite: 114
"Geblähtes Luftkissengebilde"
Von Susanne Altmann
Architektur: Kulkas Überdachung des Dresdner Schlosshofs
Dresden hat ein weiteres Wahrzeichen: Über dem Kleinen Schlosshof der Residenz wölbt sich imposant eine vom Kölner Architekten Peter Kulka entworfene kühne Kuppel aus Stahlgittern und rasterförmigen Kunststoffkissen.
Seit der Einweihung des neu überdachten Hofs, der unter anderem dem im Schloss befindlichen berühmten Grünen Gewölbe sowie dem Kupferstichkabinett als Foyer dient, kommen Einheimische und Fremde in Scharen, um die Dachkonstruktion zu bestaunen.
Allerdings sind nicht alle begeistert:
"Dieses Luftkissengebilde erweist sich nicht als gebaut, sondern als gebläht", wetterte der ehemalige sächsische Landeskonservator Gerhard Glaser. Ganz anders sieht das Dirk Syndram, Chef des Grünen Gewölbes, der das lichte Dach als großstädtisch wirkendes Herzstück mit Signalwirkung für die gesamten Dresdner Kunstsammlungen preist: "Es ist ein Schlüsselbau, der nach außen wirkt. Wir sind ja schließlich kein Landesmuseum, wir spielen in der Liga von St. Petersburg und Paris." Allerdings ist es bislang unter der neuen Schlosshofkuppel noch recht kühl: Dabei befindet sich unter den Sandsteinplatten eine nagelneue Fußbodenheizung. Deren Einbau hat das sächsische Finanzministerium bezahlt, doch angestellt wird sie vorerst nicht.
Weil eben jenes Ministerium den Kleinen Schlosshof, der von vier Seiten öffentlich zugänglich ist, als "Außenbereich mit Witterungsschutz" einstuft. Für den "täglichen Gebrauch" sei eine Heizung nicht vorgesehen. Da die Rohranlage, die laut Finanzamt "nur eine geringe Temperierung ermögliche", nun aber da ist, wolle man die Möglichkeiten einer späteren, temporären Beheizung prüfen.
Zur Einweihungsfeier wurden Heizgebläse aufgestellt.
Bildunterschrift:
Imposant wölbt sich die neue Kuppel über dem Dresdner Kleinen Schlosshof
