Ausgabe: 04 / 2009
Seite: 118
Stieftocher contra Stiefmutter
Von Merten Worthmann
Konflikt: Schau in Museum Thyssen-Bornemisza abgesagt
Es sollte das erste große Zusammentreffen der zwei großen Thyssen-Kunstsammlungen werden:
Mit der Ausstellung "Nature Attitudes", bestritten aus den Beständen ihrer Wiener Thyssen- Bornemisza Art Contemporary, wollte Kunstmäzenin Francesca von Habsburg Anfang des Jahres ein Gastspiel im Madrider Museum Thyssen-Bornemisza geben.
Dort hält Carmen Cervera Baronin Thyssen-Bornemisza, die letzte Frau von Francescas Vater Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza, die Fäden in der Hand. Doch nach langen Verhandlungen entschloss sich der Stiftungsrat des Madrider Hauses, zu dessen Sammlung Werke von Alten Meistern wie Rogier van der Weyden und Albrecht Dürer bis hin zu Jackson Pollock gehören, gegen das Projekt.
Hinter der formellen Absage verbirgt sich ein Streit zwischen Stiefmutter und Stieftochter über das Konzept des berühmten Museums und die Zukunft der Familiensammlung.
Während von Habsburg das Museum gern regelmäßig für aktuelle Kunst öffnen würde und aus dem großen Foyer ein Pendant zur Turbinenhalle der Londoner Tate Modern machen will, verteidigt Cervera den Status quo. Für die Schau "Nature Attitudes" wäre es nötig gewesen, fünf Säle der ständigen Sammlung zu bespielen. "Man kann diese Säle nicht einfach leeren", erklärte Cervera. "Dort hängen Bilder, die Besucher aus aller Welt sehen wollen." Von Habsburg hatte zudem - etwas voreilig - für das Foyer ein Werk beim Brasilianer Ernesto Neto in Arbeit gegeben. Der Auftrag musste storniert werden. Laut Guillermo Solana, dem künstlerischen Direktor des Museums, hätten die Dimensionen von Netos Arbeit es nicht gestattet, das Foyer weiterhin für Abendveranstaltungen zu vermieten.
Von Habsburg beklagt nun den "Zusammenbruch der Kommunikation".
Zur Biennale in Venedig plant sie eine neue Offensive: ein Symposium über den aktuellen Umgang mit Kunsterbe. Dort könne Cervera lernen, "dass die Zukunft nicht den Egos gehört, sondern der Kunst".
Bildunterschrift:
Francesca von Habsburg möchte das Madri - der Museum Thyssen- Bornemisza für aktuelle Kunst öffnen
Carmen Cervera Thyssen-Bornemisza will keine Veränderungen
