Ausgabe: 04 / 2009
Seite: 12

Mond und Kunst - geht das?

Von

INTERVIEW MIT KURATOR ANDREAS BLÜHM

Der Mond ist ein Idealmotiv für die Kunst, weil alle Menschen ihn kennen, er immer gleich ist, sich aber die Darstellung und Sichtweise in den letzten fünf Jahrhunderten sehr verändert haben.

Inwiefern?

Wir setzen drei Epochenschnitte: die Erfindung des Teleskops um 1608, die Entwicklung der Fotografie ab 1839 und den Beginn der bemannten Raumfahrt ab den 1960er Jahren.

Wie vereinen Sie Kunst und Wissenschaft?

Bei Galileo Galilei haben wir den Künstler und Wissenschaftler in Personalunion. Dann haben die Wissenschaftler Künstler gebraucht, um ihre teleskopischen Aufnahmen zu fixieren. Irgendwann fingen die Künstler aber an, sich davon zu lösen. Es gab da immer eine starke Beziehung zwischen Kunst und Wissenschaft.

Wenden Sie neues Wissen auf alte Bilder an?

Wir haben einen Astronomen gebeten, den Mondstand in mehreren Bildern zu analysieren - und es hat funktioniert! Er konnte klären, ob der Maler einen realistischen Mondstand wiedergegeben oder ob er eigentlich nur fantasiert hat.

Manche Bilder konnten wir anhand des Sternbilds bis auf eine Stunde genau datieren.

In welcher Epoche war der Einfluss des Monds auf die Kunst besonders stark?

In der Zeit von Aufklärung und Romantik, also etwa 1750 bis 1850. Von Jakob Philipp Hackert über Caspar David Friedrich bis hin zu Carl Blechen, da gab es eine richtige Mondsucht - auch in der Literatur und in der Musik.

Bildunterschrift:

"Mond"-Kurator Andreas Blühm

"Der Mond" ist von 26. März bis 16. August Thema im Kölner Wallraf-Richartz-Museum