Ausgabe: 04 / 2009
Seite: 113
Kulturkraftakt
Von Heinz Peter Schwerfel
KOMMENTAR
B ei der ersten Ausgabe 2006 sprachen böse Zungen von der "Villepin-Ausstellung". Der damalige Premierminister Dominique de Villepin hatte eine gigantische nationale Leistungsschau im Pariser Grand Palais im Alleingang beschlossen - Frankreich sollte der Welt zeigen, wozu die Kunstszene der Grande Nation in der Lage ist. Die nationale Kritik reagierte gnädig angesichts des eilig improvisierten Notpfropfens, die internationale lachte hinter vorgehaltener Hand. Solche e haben in Frankreich Tradition, man denke an den Sonnenkönig und Versailles, die Prunkbauten Präsident Mitterrands oder die lange dem Außenministerium unterstellte Abteilung für Auslandsauftritte, die französische Künstler Business Class durch die Welt schickt, von der Museumsschau in Kalifornien zum Galerienauftritt in New York.
Genützt hat das bisher wenig, weder dem Ansehen Frankreichs noch dem Marktwert seiner Künstler. Und auch bei der diesjährigen zweiten Ausgabe der Mammutschau "La Force de l' Art" ("Kraft der Kunst" - 24. April bis 1. Juni) darf bezweifelt werden, dass sie daran etwas ändern wird, trotz über 120 Mitwirkender.
Darunter auch gleich drei Kuratoren, die auf ein durchgehendes Thema, nicht aber einen Architekten verzichtet haben, der das Grand Palais in den kulturellen Steinbruch einer "weißen Geologie" verwandeln soll. Als sei dies nicht groß genug, werden Touristenattraktionen wie der Eiffelturm einbezogen, auf dem Bertrand Lavier sich breit macht. Überhaupt hat sich die Oberklasse der französischen Künstler fast geschlossen bereit erklärt, bei der nationalen Leistungsschau 2009 mitzuspielen - von Annette Messager bis Orlan, von Pierre et Gilles bis Fabrice Hyber. Weil sie Angst haben, bei der nächsten Klassenfahrt nach Seoul oder Mexiko-Stadt nicht mit zu dürfen?
