Ausgabe: 04 / 2009
Seite: 80

Hauptrolle für den Halbedelstein

Von Petra Bosetti

Im Schmuckmuseum werden Kreationen der Wiener Werkstätte gezeigt

PFORZHEIM: GLANZSTÜCKE

Spätestens seit Marilyn Monroe ihr Bekenntnis ins Mikrofon hauchte, weiß man, dass Diamanten "a girl's best friend" sind. Der teuerste aller Edelsteine ließ allerdings die Schmuckentwerfer der Wiener Werkstätte kalt: "Wir benützen viele Halbedelsteine", betonte Josef Hoffmann 1905. "Sie ersetzen uns durch ihre Farbenschönheit und unendliche, fast nie wiederkehrende Mannigfaltigkeit den Wert der Brillanten." Die Wiener Werkstätte, 1903 von Hoffmann und Koloman Moser gegründet, verstand sich als kontinentales Pendant zum englischen Arts-and-Crafts-Movement, das, wie sie, das Kunsthandwerk vom Mief der Gründerzeit befreien und im modernen Sinn erneuern wollte.

Die Designer der Wiener Werkstätte hatten von Anfang an auch Schmuck entworfen.

Wie Hoffmann es formuliert hatte, stand nicht der materielle Wert im Vordergrund, sondern der künstlerische Entwurf, die makellose handwerkliche Ausführung. Die Entwürfe waren revolutionär, meist von strenger Ornamentik, die den Halbedelsteinen - Malachit, Opal, Lapislazuli, Karneol, Elfenbein, Achat, Koralle, Blutstein, Jaspis oder Mondstein - die volle Wirkung garantierte, kantig und oft von dominierender Größe.

Eine begeisterte Trägerin des Schmucks der Wiener Werkstätte war Emilie Flöge, Muse und Lebensgefährtin des Malers Gustav Klimt, der ihr viele Schmuckstücke geschenkt hat. Dessen Malerei hat die Ornamentik der Entwürfe stark beeinflusst.

Die Wiener Trendsetterin bot die Kreationen auch in ihrem Modesalon "Schwestern Flöge" an. Ihr ist ein Kapitel in der Aus stellung im Schmuckmuseum Pforzheim gewidmet. Nach dem Wien- Museum sind die Kreationen nun in der Schau zu sehen, die in Kooperation mit der Neuen Galerie New York entstand und 40 Broschen, Halsketten, Anhänger und Diademe präsentiert.

Termin: 14. März bis 5. Juli.

Katalog: Arnoldsche Verlagsanstalt, 39,80 Euro.

Internet: www.schmuckmuseum-pforzheim.de

Bildunterschrift:

Emilie Flöge in einem "Konzert-Kleid" (1906) mit Schmuck der Wiener Werkstätte

Broschen von Josef Hoffmann - beide aus dem Jahr 1905