Ausgabe: 04 / 2009
Seite: 76-78

Im Wohlklang der Rundungen

Von Petra Bosetti

Die Bundeskunsthalle zeigt vor allem Porträts und Akte des italienischen Malers

BONN: AMEDEO MODIGLIANI

An so einem Stoff konnte das Kino nicht einfach vorbeigehen, und so wurde das Leben des Malers Amedeo Modigliani (1884 bis 1920) 2004 mit Andy Garcia in der Titelrolle zum dritten Mal verfilmt. Was bot dieses Künstlerleben doch alles: einen jungen, stets kränklichen Mann, bildschön, hochtalentiert, aber immer im Schatten des großen Picas so. Seine Aktgemälde wurden als obszön angesehen, die Polizei schloss seine Ausstellung. Das Leben des Italieners in Paris galt als das eines klassischen, verarmten Bohemiens, ein Leben voller Liebe, Suff und romantischer Tragik. Und dann, mit 35, stirbt dieses verkannte Genie an Tuberkulose, seine wunderschöne, hochschwangere Geliebte Jeanne Hébuterne stürzt sich aus dem fünften Stock zu Tode - angeblich, weil er ihr vom Sterbebett aus hatte ausrichten lassen, er wolle sie im Jenseits als Modell wiedersehen. Die Legenden um Leben und Sterben Modiglianis wucherten. "Ein bisschen zu viele letzte Worte für einen einzigen Mann", schrieb die Modigliani-Tochter Jeanne in ihrer Biografie des Vaters, in der sie versuchte, Legende und Wirklichkeit zu trennen.

Umso wichtiger sind Ausstellungen, die das herausarbeiten, was er wirklich war: ein großartiger, innovativer Maler, der künstlerische Strömungen von den Manieristen bis zur Kunst Afrikas und Ozeaniens aufgriff und zu einer unverwechselbaren Malerei vereinte.

Eine Werkschau in der Bundeskunsthalle in Bonn will dies leisten: Modiglianis Menschenbilder - vor allem Frauen mit melancholischen Blick und zerdehnten Körpern, Akte mit langgestreckten, eleganten Rundungen - stehen im Mittelpunkt.

Hier entfaltete der Künstler seine ganze Sensibilität für psychische Zustände.

Modigliani, der Picasso bewunderte, aber stets ein distanziertes Verhältnis zu ihm bewahrte, hatte nie "das Vorantreibende, das Grenzen Überschreitende" des Spaniers, so Werner Schmalenbach in seiner Modigliani-Biografie. "Während der Zuschnitt des Gesichts bei beiden Künstlern überraschend verwandt ist, ruht sich bei Modigliani, ganz anders als bei Picasso, der Körper im Wohlklang seiner Rundungen aus."

Termin: 17. April bis 30. August. Katalog: DuMont Buchverlag, 39,95 Euro. Internet: www.kah-bonn.de

Bildunterschrift:

"Sitzender Akt", Ölgemälde (114 x 74 cm) aus dem Jahr 1917

Zeichnung "Bildnis einer Dame" (42 x 26 cm), wahrscheinlich 1915

Porträt der Geliebten: "Jeanne Hébuterne" (1919, 91 x 73 cm)

"Die junge Lolotte" (1918, 92 x 60 cm)