Ausgabe: 04 / 2009
Seite: 122
NACHGEFRAGT
Von
Sara Smidt, 40, Kunstvermittlerin, lädt über anderthalb Jahre hinweg sieben Gruppen ein, aus der Sammlung des Kunstmuseums im schweizerischen Thun ihre eigene Ausstellung zu gestalten. Am 1. Mai startet eine Schau, die Blinde und Sehbehinderte zusammengestellt haben.
Kunst hat viel mit Schauen zu tun. Wieso sollen Menschen mit Sehproblemen eine Ausstellung machen?
Das Projekt steht in einem größeren Rahmen.
Wir wollen Menschen einen Zugang zum Museum anbieten, die sonst nicht kommen. Das war zuerst der Ruderclub Thun, jetzt sind es Blinde und Sehbehinderte.
Diese Gruppen zeigen uns ihren spezifischen Blick auf die Sammlung. Dabei versuchen wir, die ganze Bandbreite der Gesellschaft einzubeziehen. Gerade die Blinden und Sehbehinderten bieten für uns eine große Herausforderung.
Wer hat die Beteiligten ausgewählt?
Eine Kontaktperson beim Schweizerischen Verband der Sehbehinderten und Blinden hat eine Gruppe von sechs Leuten ausgewählt, die bunt gemischt ist und dem Klischee vom passiven Behinderten gar nicht entspricht. Sie selbst ist jung und studiert.
Wie entsteht die Ausstellung?
Wir haben viele Skulpturen in der Sammlung.
Diese können die Blinden mit den Händen - natürlich in Handschuhen - ertasten. Dabei sind Formen und Materialien wichtig. Wir treffen uns wöchentlich, entwickeln das Thema der Ausstellung, entscheiden über die Auswahl der Werke.
