Ausgabe: 03 / 2009
Seite: 110

Kunstboom in der Wüste

Von Till Briegleb

Golfstaaten: Arabische Emirate locken trotz Krise mit Kunstmessen, Biennalen und hoch dotierten Preisen

Große Optimisten meinen, der Damien Hirst des Jahres 2020 kommt aus der arabischen Welt.

Große Realisten halten dagegen, dass es vermutlich nur der neue Charles Saatchi sein wird. Aber dass der einst schattenhafte Kunstmarkt des Nahen Ostens einen gewaltigen Aufbruch erlebt, das meinen nicht nur die Slogans der Art Dubai, die sich als die "innovativste Kunstmesse am dynamischsten Platz der Welt" anpreist. Bereits zwei Jahre nach der Gründung hat sich die Messe, die stark von iranischer und indischer Kunst geprägt ist, fest etabliert. Russische Sammler, so Grün der John Martin, sehen Dubai mit seinem Mix aus Strand, Messe und Luxus bereits als "Art Basel Miami für Moskau".

Doch die globale Krise spüren auch die Vereinigten Arabischen Emirate. Geplante Wolkenkratzer werden nicht gebaut, Firmen entlassen Mitarbeiter, guter Rat wird täglich teurer. Nur der Tourismus hat keine Krise - allerdings nur, so Dubais Tourismuschef Hani Khorsheed, "weil es bisher gar keinen gibt." Kamelwettrennen und Hochhausruinen locken allein nicht genug Gäste. Milliarden-Investitionen in Kultureinrichtungen sollen das ändern. 2,7 Millionen Hotelgäste jährlich möchte Abu Dhabi durch seine Kulturmeile mit Guggenheim und Louvre anlocken, die bis 2018 fertiggestellt sein soll (art 4/2008) - und Dubai plant ähnlich verführerische Projekte, etwa ein Opernhaus von Zaha Hadid.

Um ihr seriöses Kunstwollen weiter zu vermarkten, planen die Emirate jetzt gemeinsam mit Katars Hauptstadt Doha und dem dort kürzlich eröffneten Museum für Islamische Kunst eine Grand Tour, ähnlich der, die zum Kunstsupersommer 2007 in Europa stattfand.

Die Rundreise besucht in sechs Tagen Mitte März die Sharjah- Biennale, die einzige international konkurrenzfähige Biennale der arabischen Welt, und die Art Dubai sowie Abu Dhabi und Doha, um deren gigantische Kulturprojekte für die Zukunft vorzustellen.

Die Verleihung des enorm hoch dotierten Abraaj-Capital-Art- Prize (600 000 Dollar für drei Künstler) mit dem Ziel, Gegenwartskunst zwischen Asien und Nordafrika zu fördern, wird ebenfalls Teil der Tour sein. Dass zwei der drei Gewinner nahezu unbekannt sind (nur Kutlug? Ataman ist ein renommierter Künstler), entspricht dem Geist am Persischen Golf, aus Nichts Superlative zu schaffen. "Spektakuläre Kunstwerke" sollen Ataman, Zoulikha Bouabdellah und Nazgol Ansarinia von dem Geld in Dubai realisieren.

Vielleicht findet Saatchi, der eine Galerie in Dubai eröffnen möchte, dabei dann auch den Damien Hirst der arabischen Welt.

Internet: awww.contemparabio.com