Ausgabe: 03 / 2009
Seite: 106-107

"Name Beuys nicht verdient"

Von Stefan Koldehoff

Streit II: Vorwürfe der Witwe an Museum Schloss Moyland

Eva Beuys, die seit dem Tod ihres Mannes mit den Kindern Wenzel und Jessyka den Nachlass des Künstlers verwaltet, will Werke von ihm aus dem Museum Schloss Moyland abziehen. art-Autor sprach mit der Beuys-Witwe:

Sie werfen Moyland vor, dass man hier mit dem Beuys-Nachlass nicht vernünftig umgeht?

Ein Beispiel ist die fatale Restaurierung des Werks "Das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet" von 1964. Der für das Werk wichtige Stoff Schokola de wurde durch Pappe ersetzt. Uns hat keiner gefragt. Von Moyland wurde 2005 lapidar mitgeteilt:

"Restauriert, Schokolade er setzt." Ein anderes Beispiel wäre das Werk "Drei verschiedene Schraubenzieher (Bonbonschock)" von 1963 und dazu die Mitteilung:

"Restauriert: fixiert; die aufgelösten Nonpareilles durch eingefärbte Styroporkugeln ersetzt." In vielen Fällen werden Werke verfremdet fremdet und unter falscher Bezeichnung und falscher Datierung publiziert.

Sind Sie als Expertin in die Museumsaktivitäten eingebunden?

Nein, nur insofern, als wir über die VG Bild-Kunst einlaufende Anfragen für unsere urheberrechtlich erforderlichen Genehmigungen erhalten. So erfahren wir, zum Teil, was dort läuft.

Hat es Versuche gegeben, die Verhältnisse zu ändern?

Wir verfügen über viele Notizen über Gespräche mit dem Kultusministerium und auch mit Kulturstaatssekretär Grosse-Brockhoff, in denen wir seit Gründung des Museums unsere Bedenken erläutert haben. Alle hatten viel Verständnis und haben Abhilfe versprochen, keiner hat etwas getan.

Die Landesregierung hat die Renovierung des Schlosses mit vielen Millionen bezahlt. Sie zahlt der Familie van der Grinten Renten.

Sie finanziert das Museum.

Zum Dank wurde der Ministerpräsident bei der Zehn-Jahr-Feier ausgeladen, was nicht der Stil von Joseph Beuys gewesen wäre, niemandem gegenüber.

Warum reagieren Sie erst jetzt?

Ich habe 1995 erstmals den Wortlaut der Stiftung Museum Schloss Moyland erhalten und vielleicht zu lange geglaubt, die Dinge würden sich zum Besseren wenden.

Zudem konnte ich mir finanziell nicht erlauben, durch alle Ins tanzen eines Prozesses zu gehen, dessen Kosten ich auf meiner Seite privat zu tragen hätte, während die Museumsgründer van der Grinten die Prozesskosten über das Land hätten finanziert bekommen.

Zudem hat es im letzten Jahr auf Wunsch des Landes mit mir Gespräche gegeben, die mir Hoffnung auf Änderung machten.

Was soll beim Abzug von Werken und Archivalien da mit in Düsseldorf geschehen?

Haben Sie schon mit der neuen Direktorin der Kunstsammlung NRW, Marion Ackermann, geredet?

Natürlich nicht, wir warten zuerst auf die Antwort des Ministerpräsidenten.

Aber wir sind nach wie vor bereit, im Sinne von Joseph Beuys in Düsseldorf mit dem Land eine vernünftige Lösung für ein Forschungszentrum zu Beuys zu finden. Ansätze gibt es schon: So arbeitet Professor Franz-Joachim Verspohl seit 1986 an einem Werkverzeichnis, was aber durch die wechselnden Angaben von Moyland erschwert wird. Dieses Forschungszentrum in Düsseldorf sowie die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf auszubauen war der uns vorgetragene Wunsch von Staatssekretär Grosse-Brockhoff.

Wäre es denkbar, dem Beuys- Museum in Moyland die Verwendung des Namens Beuys zu untersagen?

Als ich diese Namensgebung er fuhr, ließ ich mich beraten:

"Es sei europäische Sitte, bei lebenden Familienangehörigen eine Namensgebung zu erfragen." Mich hat wegen Moyland niemand gefragt.

Es verdient diesen Namen einfach nicht, er dient dort nur zur Reklame der van der Grintens.

Bildunterschrift:

Enttäuscht:

Künstlerwitwe Eva Beuys