Ausgabe: 03 / 2009

"Brauchst du das wirklich?"

Szene: Galeristen auf Sparkurs - erste Schauräume in Berlin bereits geschlossen

KITO NEDO

Für Berlins Galerienszene galt lange Zeit nur der Trend: größer, schicker, teurer. Doch mit der Krise macht sich auf einmal eine neue Bescheidenheit breit.

Auch bei Matthias Arndt, Galerist von gefragten Künstlern wie Nedko Solakov, Sophie Calle oder Thomas Hirschhorn. Seine zwei Etagen in der Zimmerstraße am Checkpoint Charlie will er aufgeben und sich erst einmal auf die große, aber karge "Halle am Wasser" nahe dem Museum Hamburger Bahnhof konzentrieren, die er zur Zeit mit vier anderen Kunsthändlern teilt.

Das hässliche Wort "Schrumpfkur" hört Arndt gar nicht gern:

Er wolle einfach "präziser sparen" und dabei seine Arbeit "durch inhaltliche Konzentration weiter verbessern". Seine aktuellen Umsatzeinbußen beziffert der Galerist, der neben Berlin noch einen Standort in Zürich betreibt, mit "etwa ein Drittel gegenüber dem Vorjahr". Also muss gespart werden, vor allem auch bei "Kunstmessen, Transporten, Produktionen".

Denn das sind, so Arndt,"die größeren Posten, jährlich im niedrigen siebenstelligen Bereich".

Sein Nachbar in der "Halle am Wasser", Friedrich Loock, der seine Galerie Wohnmaschine vor über 20 Jahren in Ost-Berlin gründete, hat seine alten Räume in der Tucholskystraße schon vor Wochen aufgegeben. Loock, der immer mit "kleiner Mannschaft" gearbeitet hat, will künftig "bei jeder Investition noch genauer hin sehen".

Dass aus den Berliner Galerienpalästen wieder Hütten werden könnten, stört ihn kaum:

"Die Qualität eines Raums hängt vom Standort, seiner Ausstrahlung, den Lichtverhältnissen und Proportionen ab, aber vor allem von den Personen, die ihn füllen." Im schicken Chipperfield-Bau gegenüber der Museumsinsel, in dem Contemporary Fine Arts (CFA) residiert, ist von Verkleinerung nicht die Rede: Ein Umzug ist kein Thema für Galeristin Nicole Hackert. Doch auch bei CFA wird emsig an der Kosten schraube gedreht: Die Ausgaben für Produktionen, Lagerung und Reisen müssten "extrem reduziert" werden. Selbst die Künstler müssten sich jetzt fragen lassen:

"Brauchst du das wirklich, um dich adäquat auszudrücken?" Namen verrät die Galeristin, die auch Jonathan Mee se und Georg Baselitz vertritt, freilich nicht. Doch die Ära der großen Künstlerwerkstätten, so Hackert, sei nun vorüber:

"Diese Assistenzhysterie hat sich erledigt." Man habe sich "krisenunabhängig" von Leuten getrennt.

Weitere Entlassungen könne sie nicht ausschließen. Auf gar keinen Fall werde man aber jetzt da mit beginnen, internationale Kunstmessen mit "Angstkojen" zu bespielen oder die gute alte "Grafikkrippe" wieder heraus holen:

"Dieses Klein-Klein ist kontraproduktiv, man muss das Ganze als Herausforderung nehmen." Die internationalen Kunsthandelsunternehmen, so scheint es, geben den Standort Berlin nach und nach auf: So hat die New Yorker Galerie Goff + Rosenthal ihre Dependance in der Brunnenstraße liquidiert, und auch die indische Großgalerie Bodhi Art gab bereits ihre Filiale in der "Halle am Wasser" auf.

Die heimischen Galeristen dagegen sind widrige Um stände gewohnt.

Denn selbst in Boomjahren war Berlin eher Produktionsort als Verkaufsarena. In der Hauptstadt hätten "die Trauben nie niedrig" gehangen, wird denn Galerist Christian Nagel nicht müde zu betonen. Wegen "schlechter Erfahrungen" auf der letzten Art Basel in Miami will er vorerst auf die New Yorker Armory Show und die Art LA verzichten. An eine Schließung seiner Räume in Berlin und Köln denkt er noch nicht:

"Man muss sich halt warm anziehen.

Jetzt ist Durchhaltevermögen gefragt!"

Bildunterschrift:

Schrumpfkur ist angesagt unter Berlins Galeristen: erste Ausstellungsräume wurden schon geschlossen

Müssen sparen: Hauptstadt-Galeristen Matthias Arndt, Friedrich Loock und Nicole Hackert (von links)

Galerienhaus: Halle am Wasser

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