Ausgabe: 03 / 2009
Seite: 109

München sahnt kräftig ab

Von Birgit Sonna

Privatsammlungen: Pinakothek erhält Wildes Fotoschätze

Der Pinakothek der Moderne in München ergeht es zurzeit wie dem Mädchen im Märchen "Sterntaler". Wie durch ein Wunder schüttet sich immer wieder ein Goldregen in Form von Privatsammlungen über dem Museum aus. Zuerst freute man sich über den Zuwachs der vom bayerischen Staat mit einem Neubau ausgestatteten Sammlung Brandhorst.

Dann wurde die Kölner Sammlung Stoffel in die Bestände der Pinakothek integriert. Und nun fällt auch die wichtigste, noch in privaten Händen befindliche deutsche Fotosammlung der Moderne München zu: Das Kölner Sammlerpaar Ann und Jürgen Wilde gab bekannt, dass all ihre Fotoschätze als Stiftung an die Pinakothek gehen. Neben rund 15 500 Abzügen und Glasplatten gehören dazu die Archive von Albert Renger-Patzsch und Karl Blossfeldt sowie eine 8000 Fotobände umfassende Bibliothek.

So persönlich die Beweggründe im Einzelnen sein mögen, die gewährleistete wissenschaftliche Betreuung macht die Pinakothek für Sammler attraktiv. Zudem hat man Fingerspitzengefühl und Ausdauer bei den Gesprächen bewiesen.

Die stellvertretende Gene raldirektorin Carla Schulz-Hoffmann hat jahrelang zu Michael und Eleonore Stoffel Kontakt gehalten, der sich "zu einer Freundschaft verdichtet hat".

Inka Graeve Ingelmann, Leiterin der Fotoabteilung, ist mit den Wildes bereits seit 20 Jahren vertraut:

"Das sind Persönlichkeiten, die jenseits von Stadtgrenzen denken." Für die Stiftung Wilde wird mit Simone Förster eine zusätzliche Fotokuratorin eingestellt.

Auch bei der Sammlung Brandhorst stockte man erheblich Personal auf, darunter ein Kurator, zwei Restauratoren sowie eine Pressesprecherin.

Mit so einer traumhaften konservatorischen Struktur kann das Rheinland offenbar nur schwer konkurrieren.

Die Kölner Museumsleute haben sich in die Schmollecke zurückgezogen:

Kasper König, Direktor des Museums Ludwig, gibt sich überrascht: "Allerdings ist es kein Geheimnis, dass der Umgang aller Beteiligten mit dem Ehepaar Wilde stets von erheblichen Sensibilitäten und Animositäten begleitet und geprägt war.

Deshalb verwundert es sehr, wenn jetzt nach Jahrzehnten schwierigen Miteinanders mit dem neuen Partner München plötzlich alle Probleme gelöst worden sind." Ann und Jürgen Wilde können sich an derlei Konflikte nicht erinnern:

"Kasper König hat uns nie ein Gespräch angeboten." Geredet haben die Wildes aber mit der SK Stiftung Kultur der Sparkasse Köln/Bonn. In der Photographischen Sammlung der SK wurden die Archive von Karl Blossfeldt und Albert Renger-Patzsch aus dem Wilde-Besitz von 1994 bis 1998 wissenschaftlich aufgearbeitet.

"Es war geplant, die beiden Archive langfristig als Ganzes oder in Teilen zu erwerben", heißt es in einer Stellungnahme der Stiftung. 1998 wurde die Kooperation aus "organisatorischen und finanziellen Gründen" beendet.

Gespräche über eine weitere Zusammenarbeit mit Wildes stellte man 2001 ein. Obwohl der Fotoschatz nun für die Region verloren ist, gibt die SK sich zuversichtlich: "Der Weg nach München ist nicht weit!"

Bildunterschrift:

Karl Blossfeldt:

"Mannstreu" (1928). Unten:

Albert Renger- Patzsch: ohne Titel (1928)

Geben ihre Fotosammlung nach München: Ann und Jürgen Wilde