Ausgabe: 03 / 2009

KOMMENTAR

Auch Darmstadt hat einen Fall Beuys

SANDRA DANICKE

Es wurden Tatsachen geschaffen, bevor ein neuer hessischer Kultusminister sich noch in die Debatte hätte einmischen können: Denn diskutiert wurde schon lange über die Renovierung des "Block Beuys". Offenbar lange genug für das Hessische Landesmuseum in Darmstadt, wo Joseph Beuys 1970 seine rund 280 Zeichnungen und Objekte selbst installiert hatte. Unmittelbar nach der Hessenwahl gab das Haus bekannt, die Jutebespannung, mit der seit bald 40 Jahren die Wände des "Block Beuys" verkleidet sind, wird im Zuge der Sanierung des Hauses ersatzlos entfernt. Gleiches gilt für den grauen Teppichboden, der nur im ersten der insgesamt sieben Räume erhalten bleiben soll, weil der Künstler hier eigenhändig einen gelben Strich aufgebracht hat. Die übrigen Böden bekommen Linoleum-Belag oder Estrich.

Das strikte Aus für Jute und Teppich, für viele unverzichtbare Bestandteile des Beuys-Werks, enttäuscht in Anbetracht der leidenschaftlichen Auseinandersetzung.

Museumsdirektorin Ina Busch, unterstützt von der Künstlerwitwe, dem Beuys-Estate sowie Beuys-Schüler Johannes Stüttgen, blieb eisern bei ihrem bereits 2006 gefällten Beschluss für weiße Wände und textilfreien Boden. Daran änderte auch die eigens anberaumte Anhörung 2008 nichts, bei der sich viele Beuys-Experten gegen die "Radikalrenovierung" aussprachen. Doch wurde schon damals die Befürchtung geäußert, die Anhörung sei eine reine Alibiveranstaltung. In der Tat, die Begründung des Museums, der "problematische Zustand sowie die zeitliche Erhaltungsperspektive der Jute würden eine Nachbesserung bedingen, die eine weitere Bewegung aller Werke innerhalb der nächsten 20 Jahre nach sich ziehen würde", klingt nach der intensiv geführten Debatte dürftig.

Abo