Ausgabe: 03 / 2009
Seite: 114
NACHGEFRAGT
Von
Bernd Finger, 59, leitender Kriminaldirektor und Abteilungsleiter des LKA 4 in Berlin, das sich mit organisiertem Verbrechen und Bandenkriminalität befasst, machen die zunehmenden "Kunstdelikte" in der Hauptstadt zu schaffen:
In der Silvesternacht verschwanden aus der Berliner Fasanengalerie Werke von Matisse, Picasso und Braque. Wie ist der Ermittlungsstand?
Wir wissen, wie die Täter eingedrungen sind, und wir wissen, dass sie Kunstobjekte haben stehen lassen, die auch ihren Wert haben. Das spricht dafür, dass es sich um Täter handelt, die keine Kunstkenner sind.
Insofern gehen wir davon aus, dass das erbeutete Gut sich noch in Berlin befindet.
Der Kunstmarkt schlittert in eine Krise.
Müssten die Hehler nicht enorme Absatzschwierigkeiten haben?
Nach den Marktgesetzen ist das so richtig.
Aber sie müssen bedenken: Bei den Tätern, die in die Fasanengalerie eingebrochen sind, und bei denen, die zeitnah auch noch eine weitere Galerie heimgesucht haben, rechnen wir mit Leuten, die einen schnellen Absatz hier in Berlin erzielen wollen. Sie bekommen dann einen Bruchteil dessen, was das eigentliche Kunstobjekt ausmacht. Marktgesetze gelten an dieser Stelle noch nicht.
Im vergangenen Jahr wurden in Berlin rund 700 Kunstdelikte registriert ...
Wir haben in Berlin sehr viele Galerien, unzählige Events, Ausstellungen und viel Kunst im öffentlichen Raum. Das übt Anziehungskraft auf Diebe und Betrüger aus.
