Ausgabe: 03 / 2009
Seite: 112
Kein Geld für Stromrechnung
Von Claudia Bodin
Museum: Empörung über Bilderverkäufe in New York
New Yorks National Academy steckt in der Krise. Seit fünf Jahren schreibt das Museum rote Zahlen und bediente sich aus der Rücklagenkasse, um die laufenden Kosten zu decken. Bis nicht mal genügend Geld da war, um die Stromrechnungen zahlen zu können. Deshalb wurden zwei Bilder der Hudson River School versilbert - ein tragischer, aber überlebensnotwendiger Verlust für die rund 7000 Werke umfassende Sammlung amerikanischer Kunst, so Direktorin Carmine Branagan.
Doch der Verkauf der zwei Landschaftsgemälde "Scene on the Mag dalene" (1854) von Frederic Edwin Church und "Mount Mansfield, Vermont" (1859) von Sanford Robinson Gifford brachte nicht nur umgerechnet rund 10,3 Millionen Euro ein, sondern sorgte auch für einen Aufschrei der Empörung. Zumal zwei weitere Arbeiten noch verkauft werden sollen. Als "Bruch der grundsätzlichen, wichtigen Prinzipien der Museumswelt" verurteilte der Verband der Kunstmuseumsdirektoren der USA die Aktion.
Um die Finanzmisere des Museums zu beheben, hatte Branagans Vorgängerin, Annette Blaugrund, früher schon vorgeschlagen, die Museumsvilla in der Fifth Avenue zu verkaufen. Eine harte, aber saubere Maßnahme, die einen Neustart des Instituts ermöglicht hätte. Doch der mit mehr als 300 Künstlern besetzte Rat der Academy wiegelte diesen Vorstoß ab. Ein Fehler, wie mancher im Museumsvorstand inzwischen meint. Jetzt berät man nämlich über Satzungsänderungen, um die Macht des großen Rates einzuschränken.
Bildunterschrift:
Die Villa der National Academy an der New Yorker Fifth Avenue
