Ausgabe: 03 / 2009
Seite: 80

Intime Bilder von Geburt und Tod

Von Kito Nedo

Eine Ausstellung bei C/O Berlin zeigt die andere Seite der Celebrity-Fotografin

BERLIN: ANNIE LEIBOVITZ

Wie bei einer "archäologischen Ausgrabung" sei sie sich vorgekommen, beschrieb die in New York lebende Fotografin Annie Leibovitz, 59, die Vorbereitungen für diese Schau ihrer Arbeiten aus den neunziger Jahren und der ersten Hälfte der laufenden Dekade. Tatsächlich sind Vergänglichkeit und Tod die unausgesprochenen Leitthemen dieser Präsentation, in der neben den kommerziellen Bildern der Celebrity- Fotografin auch erstmals unzählige Fotos aus ihrem Privatleben gezeigt werden.

Es sind Bilder von gemeinsamen Reisen nach Sarajewo, Venedig, Berlin, Kyoto oder Kairo mit ihrer Familie und engen Freunden. Leibovitz fotografierte Familienfeste, Ausflüge ans Meer oder ihre drei neugeborenen Töchter, begleitete aber auch fotografisch den Tod des Vaters. Ausgelöst durch die kurz aufeinander folgenden Tode ihrer langjährigen Lebensgefährtin, der Schriftstellerin Susan Sontag, und ihres Vaters um die Jahreswende 2004/05, vergrub sie sich in das Material der letzten Jahre und arrangierte eine Retrospektive.

Der Rahmen eines solchen Formats wird jedoch gesprengt. So wird für den Betrachter ein ganzes Leben nachvollziehbar.

Auf den "besonderen Augenblick" will sich Leibovitz, die auch mit Digitalkamera und Fotomontage am Computer arbeitet, für ihre kommerziellen Aufträge nicht verlassen. Dafür, so die Fotografin, die in den frühen siebziger Jahren ihre Karriere beim Musikmagazin "Rolling Stone" begann, wisse sie einfach zu viel über das Bildermachen: "Wie man ein Bild stellen, es manipulieren kann, wann es gemacht werden muss." So geschehen beim offiziellen Porträt der britischen Queen. Für dessen Produktion hatte der Buckingham Palace der Fotografin vor zwei Jahren ganze 25 Minuten gewährt.

Nachträglich montierte sie einen dunklen Himmel ins Bild, so dass sich die Dramatik eines Caspar David Friedrich mit der Perfektionsästhetik hochtechnologischer Fotobearbeitung vereint.

Das Gipfeltreffen der beiden Diven soll übrigens nicht ohne Spannungen verlaufen sein. Trotz der Zeitnot bat Leibovitz Elizabeth II., ihre Krone abzunehmen.

"Die ist etwas zu schick", sagte sie.

Die Queen deutete auf ihre königliche Kleidung und zischte zurück: "Und was glauben Sie wohl, was das ist?" Doch anstatt beleidigt zu sein, bedankte sich Leibovitz nach dem Shooting für die Geduld Ihrer Majestät. Letztlich ist es wohl die Fähigkeit zur Diplomatie, die in der Politik wie in der Kunst der Fotografie von wahrer Größe zeugt.

Termin: 21. Februar bis 24. Mai. Katalog: Schirmer/ Mosel Verlag, 78 Euro. Internet: www.co-berlin.info

Bildunterschrift:

Blicke ins Privatleben: "Meine Eltern. Peters Pond Beach Wainscott. Long Island. 1992" (Silbergelatine-Abzug) von Annie Leibovitz