Ausgabe: 03 / 2009
Seite: 78

Die Schwelle zum Reich der Toten

Von Heinz Peter Schwerfel

Der Louvre ermöglicht einen Parcours zwischen Diesseits und Jenseits

PARIS: PFORTEN DES HIMMELS. VISIONEN DER WELT IM ALTEN ÄGYPTEN

Pforten des Himmels" nannten die Ägypter die Flügeltüren von Altären, in denen Statuen ihrer Hausgötter zur Verehrung aufgestellt wurden.

Dieser Begriff symbolisiert auch die Schwelle vom irdischen zum überirdischen Reich, vom Lebensraum der Menschen zu dem ihrer Götter und gab einer thematischen Ausstellung im Louvre mit über 300 Arbeiten den Titel; sie stammen aus der Zeit vom Alten Reich (2. Jahrtausend vor Christus) bis zur römischen Besatzungszeit (ab 30 vor Christus).

Zusammengestellt aus eigenen Museumsbeständen und ergänzt durch rare Leihgaben, funktioniert die Ausstellung wie ein Parcours, der die ständige Reise zwischen Diesseits und Jenseits darstellt. Zu den Ausstellungsstücken gehören steinerne Grabmäler und Pforten, vor allem prächtige Malereien, wie etwa die beidseitig bemalte "Stele der Dame von Taperet", die den Sonnengott anbetet. Eine besonders schöne Arbeit ist eine Stele des dickbäuchigen Bak, des obersten Bildhauers von Echnaton, und seiner zierlichen Frau Taheri, die ihre Hand auf seine Schulter gelegt hat. Den Auftakt bildet in der Napoleon- Halle des Louvre ein großer steinerner Altar aus dem berühmten, schon von den Ptolemäern begonnenen Tempel von Philae in der Nähe des heutigen Assuan. Im Allerheiligsten des Altars trägt der Pharao, Herrscher alles Irdischen, persönlich den Himmel, die Heimat der Götter. Von der Rotunde aus gelangt der Besucher in einen ersten Teil, der den Gottheiten der Erschaffung der Welt, Re und Osiris, gewidmet ist. Im zweiten Kapitel der Ausstellung, "Himmel unter der Erde", geht es ausschließlich um Licht und Dunkelheit, also um die Rolle des Sonnengotts Ra, da für die Ägypter die Sonne tagsüber um die Erde und nachts durch das Jenseits lief. Deshalb wurden die Flügeltüren der Altäre vom Abend bis zum Morgen geschlossen.

Weitere Kapitel der Ausstellung rekonstruieren die Grabkapellen der Ägypter als Schwelle zum Übergang vom Reich der Lebenden in das der Toten, als Ausgangspunkt ihrer Reise ins Jenseits sowie die für jedermann zwar sichtbare, aber nicht beschreitbare Himmelspforte, die allein den Priestern vorbehalten war: den Eingang zum Tempel als Passage vom öffentlichen ins geistliche Leben. Hier versammelten sich die Gläubigen, um dem Reich der Götter nahe zu sein - auch wenn sie es nicht betreten konnten.

Termin: 6. März bis 29. Juni. Katalog: 39 Euro.

Internet: www.louvre.fr

Bildunterschrift:

Statue des Nefertum (Höhe 37 cm, Bronze)

Stele des Bildhauers Bak und seiner Frau Taheri (um 1345 vor Christus, Höhe 65 cm)