Ausgabe: 03 / 2009
Seite: 60-67
"Nachts sind die Katzen alles - nur nicht grau"
Von Stefan Koldehoff
Licht und Landschaft: Zwei große Ausstellungen feiern den Maler Vincent van Gogh. art brachte drei Spezialisten zur Deutung seiner in Amsterdam gezeigten Nachtbilder zusammen
Künstlich beleuchtete Stadt cafés, ein aufgewühlter Sternenhimmel, der Sämann im Dämmer licht: Die Nacht nimmt bei Vincent van Gogh (1853 bis 1890) im Laufe seines Lebens vielfältige Formen, Farben und Stimmungen an. Axel Rüger, Direktor des Amsterdamer Van Gogh Museums, und Elisabeth Bronfen, die kürzlich eine "Kulturgeschichte der Nacht" veröffentlicht hat, trafen sich in Zürich zum art-Gespräch. moderierte.
: Herr Rüger, van Gogh wird wie wahrscheinlich kein zweiter Künstler der Moderne als der Maler der Farbe und des Lichts gesehen. Nun zeigen Sie in einer großen Ausstellung ausgerechnet seine Nachtbilder und nehmen ihm beides. Was bleibt dann noch?
Axel Rüger: Ich bin nicht sicher, dass wir ihm beides tatsächlich nehmen.
Wir zeigen gerade einen Aspekt des Künstlers, der in seinem Werk sehr prominent vertreten ist, bei dem man aber, wenn man sich seine Bilder ansieht, oft gar nicht wirklich bemerkt, dass es überhaupt um Abend- und Nachtszenen geht. Van Gogh schreibt in einem seiner Briefe selbst, und das ist so etwas wie das Leitmotiv der Ausstellung, dass er die Nacht farbenfroher findet als den Tag.
Koldehoff: Wie begründet er das?
Rüger: In der Nacht verdichtet sich für ihn das Leben, und die Nacht hat so viele Facetten - auch im übertragenden Sinn -, dass sie für ihn farbig wird.
Koldehoff: Was fasziniert denn seit Jahrhunderten ausgerechnet die Maler an der Nacht?
Elisabeth Bronfen: Es ist wohl genau dieser merkwürdige Widerspruch, auf den Hegel in seiner "Logik des Seins" hinweist, dass reines Licht und reine Dunkelheit dasselbe sind, nämlich nichts. Reines Licht kann man nicht sehen und reine Dunkelheit auch nicht. Sehen kann man nur, wenn Dunkelheit erhellt oder reines Licht abgedunkelt wird. Das ist in der westlichen Kunst seit dem 12., 13. Jahrhundert ein Thema. Da wird die Flucht nach Ägypten gemalt, mit kleinen Feuern, dem Mond, den Sternen und Spiegelungen auf dem Wasser. All das gab den Künstlern die Möglichkeit, zu studieren, wie Licht entsteht und wie dann aus dem Licht Formen werden.
Genau das ist ja ein Bild: Man braucht einen Hintergrund, der beleuchtet wird, damit sich davon Figuren absetzen können. Die Nacht erlaubt das viel deutlicher als ein Tagbild, auf dem man ohnehin alles genauer sieht.
Rüger: Und da spielt noch etwas anderes eine Rolle, wenn Sie zum Beispiel "Die Flucht nach Ägypten" von Adam Elsheimer nehmen. Man konnte unterschiedliche Qualitäten von Licht zeigen: das fahle Mondlicht, die kräftige Feuerstelle, die funkelnden Sterne. Die unterschiedlichen Temperaturen dieser verschiedenen Lichtquellen und die unterschiedlichen Effekte, die sie hervorrufen, waren schon in der Renaissance eine Herausforderung für die Künstler, mit der man Meisterschaft zeigen konnte.
Koldehoff: Van Gogh gab dem Licht auch eine wertende Bedeutung. Er schrieb seinem Bruder Theo über sein Bild vom "Nachtcafé" in Arles, dass er mit Hilfe des künstlichen Lichts der Lampen dort einen Ort malen wollte, an dem man verrückt oder zum Verbrecher werden könne.
Bronfen: Licht und Nacht sind immer auch kulturell codiert. Das geht von der biblischen Geschichte aus. Mit Licht schafft Gott die Welt. Dann wird am vierten Tag der Unterschied zwischen Sonnen- und Mondlicht definiert. Und natürlich spielt in der Bibel die Lichtgestalt Christus die zentrale Rolle. Er wird nachts geboren und soll das Licht in die Dunkelheit bringen.
Luzifer, der Teufel, war ja eigentlich der gefallene Morgenstern, und mit ihm kam eine moralische Nacht über die Menschen. Christus ist die Gegengestalt. Nehmen Sie nur die Christus-Bilder von Rembrandt, auf denen der Gekreuzigte in einem völlig anderen als dem natürlichen Licht strahlt. In dieser Tradition unterscheidet auch van Gogh das Licht: Das eine ist schrecklich, das andere erbauend, ein drittes wieder nur praktisch.
Rüger: Er setzt das in Farben um, die schon nicht mehr die traditionellen Nachtfarben sind. Ein Nachtweg in der Provence, über dem der Mond scheint, ist in hellen Blautönen gemalt, eine Caféterrasse leuchtet in Gelb. Das ist seine Auffassung vom Farbenreichtum der Nacht.
Bronfen: Man sieht nachts ja die Dinge auch ganz anders, und man sieht Dinge, die gar nicht da sind.
Dadurch ist die Nacht viel näher an den Räumen unserer Fantasie. Am Tag sieht man viel nüchterner, weil man direkter sieht. Nachts sieht man mehr, weil man weniger sieht. Nachts sind die Katzen alles, nur nicht grau.
Koldehoff: Van Gogh hat in seinen frühen Jahren, beim Malen der "Kartoffelesser" 1885 im holländischen Nuenen, mit dem natürlichen Licht des Feuers begonnen. In Arles kommt dann drei Jahre später das künstliche Licht der Gaslaternen auf den Straßen und der Lampen in Innenräumen hinzu. War da überhaupt noch Spielraum für Interpretation, oder hat er einfach nur wiedergegeben, was er tatsächlich sah?
Rüger: Er hat schon gemalt, was er sah. Aber er hat es auch so interpretiert, dass es in seine Ästhetik passte.
Das war ja bereits bei den "Kartoffelessern" so, einem für ihn ganz zentralen Werk, mit dem er beweisen wollte, dass seine Lehrzeit zu Ende war.
Koldehoff: Stimmt es, dass er sich Kerzen an der Hutkrempe befestigt hat, um nachts malen zu können?
Rüger: Irgendwie musste er sicher sehen können, was er vor sich auf die Leinwand malte. Ob er das Problem aber auf diese Weise löste, das weiß ich nicht.
Bronfen: Ab Ende des 16. Jahrhunderts begann man in Europa ja auch damit, die Straßen zu beleuchten, und damit war es nicht mehr nur noch ganz dunkel. Zwar wurden bis weit ins 18. Jahrhundert hinein nachts noch die Dörfer abgesperrt, die Stadttore verschlossen. Aber es gab Licht, es gab nächtliche Feste. Da wurde schon der Tag in die Nacht und die Nacht in den Tag eingeführt. Und die Entwicklung einer säkularen Welt jenseits der rein religiös geprägten Gesellschaft spielte sicher auch eine Rolle. Das ist der Anfang des bürgerlichen Subjekts und der Individualität: Ich habe meinen Blick auf die Welt und kann sie mir damit aneignen. Das quälte allerdings schon Shakespeare-Figuren unendlich, dass sie zwar die Macht haben, sich die Welt über ihren Blick anzueignen, und nicht mehr einem starren religiösen Deutungsmuster wie im Mittelalter unterworfen sind. Gleichzeitig ist aber jede Aneignung eine subjektive:
Kann man seinem Blick trauen, kann man sicher sein? Es gibt keine allgemeinen Wahrheiten mehr. Auch van Gogh malte ja nur seine Eindrücke.
Koldehoff: Der brave Bürger hatte aber doch noch viel länger nachts auf der Straße nichts zu suchen ...
Bronfen: Nein, weil die Nacht nicht nur dem Aberglauben nach der von Geistern und Dämonen und dem Teufel besetzte Zeitraum war, sondern auch der Zeitraum der Kriminalität.
Frauen, die nachts auf der Straße waren, waren Huren. Nachts suchte man aber auch die Alraune oder fand den Schatz - den fand man tagsüber nie. Im 19. Jahrhundert wurde die Tabuisierung dann aber aufgehoben. Und da lebte van Gogh sicher an einer Art kultureller Schnittstelle. Einerseits blieb die Nacht noch die Zeit des Verruchten und Kriminellen. Andererseits wurden die Nächte aber sicherer, man konnte auf die Straße gehen. Und die romantische Vorstellung von den schönen ruhigen Mondlandschaften, in denen die Seele Teil des Alls wird, war Wirklichkeit.
Rüger: Und es gibt die sexuelle Dimension der Nacht. Van Goghs Pariser Freunde wie Henri de Toulouse- Lautrec haben sich ja regelrecht ins Nachtleben gestürzt. Und alle Nachtunterhaltung, die eine ganz eigene Lebenswelt darstellte, war auch eine neue Erfahrung. Dort hat sich van Gogh allerdings weniger getummelt als seine Kollegen, weil er Befriedigung und Erfüllung nicht so sehr aus dem städtischen Leben zog. Deshalb verließ er Paris nach zwei Jahren wieder.
Und wenn er doch mal Cafészenen malte, waren sie nie gesellig. Es ging eher um das vereinsamte Individuum, um die Anonymisierung.
Bronfen: Eine der großen Ängste der Moderne. Denken Sie nur an Charles Baudelaire oder an Walter Benjamin.
Der Flaneur war Ausdruck des befreiten Individuums, aber immer auch der anonyme einsame, völlig auf sich selbst zurückgeworfene Einzelgänger.
Rüger: Man kann die Nachtbilder bei van Gogh aber nicht losgelöst vom Tag sehen. Das symbolisierte für ihn den Kreislauf des Lebens und sicher auch die protestantische Ethik, mit der er als Pastorensohn und ehemaliger Laienprediger groß geworden war.
Der Tag geht zu Ende, "Die Kartoffelesser" runden ihn nach getaner Arbeit mit der Familienmahlzeit ab. Der Sämann streut in der Abenddämmerung das Saatgut aus - und am nächsten Morgen beginnt der neue Tag. Die Morgendämmerung wiederum - Aurora - ist ja seit jeher das Symbol der Zuversicht und der Hoffnung.
Koldehoff: Wobei man sich bei manchen der Gemälde gar nicht so sicher ist, ob sie eine Szene am Beginn oder Ende des Tages zeigen.
Rüger: Van Gogh hat das zum Teil bewusst offen gelassen. Uns helfen wenigstens manchmal seine Briefe weiter, in denen er viele seiner Bilder sehr ausführlich beschreibt.
Koldehoff: Warum ist eigentlich, neben den "Sonnenblumen", ausgerechnet "Die Sternennacht" das Bild, das man sofort mit van Gogh verbindet?
Rüger: Das ist schwierig zu beantworten.
Dieses Bild ist sensationell gut gemalt: ungeheuer ansprechend, dynamisch, mit großer Kraft und Bewegung.
Es hat diese fast haptische Qualität der Oberfläche, die viele so an van Goghs Bildern lieben. Die Lichteffekte und die Dramatik, die aus dem Gemälde sprechen, spielen eine weitere Rolle. Don McLean hat sogar ein Lied darüber geschrieben, "Vincent (Starry Starry Night)", auch das ist sicher nicht ohne Wirkung geblieben.
Und dann ist da natürlich die metaphorische Symbolik.
Bronfen: Sieht man sie nicht auch als Ausdruck seiner Geisteskrankheit und großen Leids? Die Ruhe der Nacht gegen das Leiden des Künstlers? Der einsame Maler, der in existenzieller Not mit sich und seiner Kunst hadert?
Rüger: Das spielt sicher eine Rolle.
Van Gogh ist nach wie vor der Inbegriff des "Genies" und des außerhalb der Gesellschaft stehenden Künstlers.
Deshalb gibt es ja diesen Mythos um ihn, auch wenn viele Legenden längst widerlegt sind.
Koldehoff: Dabei ist die andere "Sternennacht", die den Himmel über der nächtlichen Rhone zeigt, eigentlich die viel schönere.
Rüger: Ein sensationelles Bild, das mit den Sternen, den Gaslaternen am Ufer, die sich im Wasser reflektieren, noch einmal seine ganze Faszination für das Thema Nacht zeigt. Da eignet van Gogh sich eine Realität an, die er viel weniger dramatisch und symbolisch wahrnimmt als die Sternennacht mit den Zypressen. Die Lebensumstände, unter denen beide Bilder entstanden, waren allerdings auch ganz unterschiedliche: Als van Gogh die Zypressen-Nacht malte, saß er nach einem Anfall in der Heilanstalt in Saint-Rémy. Das Rhone-Bild hingegen entstand in Arles, als er im "Gelben Haus" wohnte und auf die Ankunft von Paul Gauguin wartete.
Koldehoff: Seinen Freund, den belgischen Maler und Dichter Eugène Boch, porträtierte van Gogh sogar vor einem Sternenhimmel.
Rüger: Da ist die Poesie der Nacht sein Thema, das auch inspiriert. Er benutzt ja Tag und Nacht auch, um sich selbst und Gauguin zu charakterisieren. Als beide im Herbst 1888 eine Zeitlang zusammen wohnen und abends gemeinsam in die Bordelle von Arles gehen, malt van Gogh Gauguins Stuhl im Licht einer Gaslampe mit einer Kerze und Büchern auf der Sitzfläche.
Sein eigener Stuhl, mit Pfeife, entsteht tagsüber bei viel hellerem Licht. Diese Vielfältigkeit der Möglichkeiten, van Goghs Experimentierfreude und seine suchende Getriebenheit, sich immer wieder an Themen abzuarbeiten, fanden wir ja das Interessante an diesem Thema. Er beschäftigt sich mit dem Thema Dämmerung, Abend und Nacht während seiner gesamten Karriere. Er greift Themen immer wieder neu auf und greift auf ältere Bilder zurück. Er kannte natürlich Rembrandts Werke. Und wir zeigen auch Bilder von Malern der Schule von Barbizon, die ihm ein großes Vorbild waren. Die Ausstellung bietet deshalb auch die Möglichkeit, anhand dieses einen Themas van Goghs gesamte Karriere zu verfolgen.
Koldehoff: Was haben Sie bei der Vorbereitung dieser Schau, die Joachim Pissarro, Kurator am New Yorker Museum of Modern Art, auf den Weg gebracht hat, neu gelernt?
Rüger: Ich habe als jemand, der sich nicht sein ganzes kunsthistorisches Leben lang mit van Gogh beschäftigt hat, gesehen, wie weit der Horizont dieses Künstlers ist: seine Vorgänger und ihr Einfluss, aber auch die Entwicklung des eigenen OEuvres. Das ist besonders gut möglich, wenn man sich auf ein Thema wie die Nachtbilder konzentriert.
Koldehoff: Wird es Nachtöffnungszeiten geben?
Rüger: Ja, man wird van Goghs Nachtbilder auch bei Nacht sehen können - beleuchtet aber. Niemand muss einen Strohhut mit Kerzen auf der Krempe mitbringen.
Ausstellung: "Van Gogh und die Farben der Nacht", Van Gogh Museum, Amsterdam, bis 7. Juni.
Katalog: Hatje Cantz Verlag, 24,95 Euro, im Buchhandel 29,80 Euro. Internet: www.vangoghmuseum.nl
Bildunterschrift:
Fand der Maler in der Nacht Geborgenheit? War sie ein Ausdruck existenziellen Leids? Van Goghs Bild "Die Sternennacht" (1889, 74 x 92 cm) aus der Sammlung des New Yorker Museum of Modern Art
Gipfeltreffen der Experten: , Elisabeth Bronfen und Axel Rüger in Bronfens Wohnung in Zürich (Foto: Vera Hartmann)
"Oft erscheint mir die Nacht viel lebendiger und farbenfroher als der Tag", schreibt van Gogh 1888
Feuer, Mond und Sterne: Adam Elsheimers "Flucht nach Ägypten" (1609, 31 x 41 cm)
Ein Ort zum Verrücktwerden:
"Das Nachtcafé" (1888, 72 x 92 cm)
"Der Sämann" (1888, 74 x 93 cm) streut sein Saatgut in der Abenddämmerung aus
"Man kann die Nachtbilder nicht losgelöst vom Tag sehen.
Das symbolisiert für van Gogh den Kreislauf des Lebens"
"Die Kartoffelesser" (1885, 82 x 114 cm) beschließen gemeinsam ihren Arbeitstag
Kerzenlicht versus Sonnenschein:
"Paul Gauguins Stuhl" (1888, 91 x 73 cm) und "Vincents Stuhl mit Pfeife" (1888, 92 x 73 cm)
"Die Nachtbilder bieten die Möglichkeit, anhand dieses einen Themas van Goghs gesamte Karriere zu verfolgen"
Zwei Van-Gogh-Experten und eine Nacht-Spezialistin
, 41, ehemaliger art-Redakteur und heute Kulturredakteur des Deutschlandfunks in Köln, ist Autor des Buchs "Van Gogh - Mythos und Wirklichkeit" (DuMont Verlag, 19,90 Euro)
Axel Rüger, 40, ist seit 2006 Direktor des Van Gogh Museums in Amsterdam. Zuvor war der gebürtige Dortmunder als Kurator für niederländische Malerei an der National Gallery in London tätig
Elisabeth Bronfen, 50, hat 2008 unter dem Titel "Tiefer als der Tag gedacht" eine "Kulturgeschichte der Nacht" herausgebracht (Carl Hanser Verlag, 29,90 Euro).
Forschungsschwerpunkte der in München geborenen, in Zürich lebenden Literatur- und Kulturwissenschaftlerin sind Psychoanalyse, Gender Studies und Filmtheorie
Felder, Wege, Hütten, Dächer
Das zweite große Van-Gogh-Ereignis der Saison: Das Kunstmuseum Basel zeigt die gesammelten "Landschaften"
Als das "wichtigste Kunstereignis Europas 2009" kündigt das Kunstmuseum Basel selbstbewusst seine Ausstellung an. "Weltweit zum ersten Mal" sollen van Goghs Landschaftsbilder aus allen Phasen seiner Malerkarriere zu sehen sein. Tatsächlich ist es den Kuratoren Nina Zimmer und Bernhard Mendes Bürgi und dem Van-Gogh-Experten Walter Feilchenfeldt gelungen, von den ersten erdigen Bildern aus Holland bis zu den großen Farbpanoramen aus Auvers alles zu versammeln, was das Genre hergibt. Der Landschaftsbegriff ist dabei weit gefasst: Van Goghs malerisches Gespür für die Weite der Felder und Wege in seiner Heimat wandelt sich zur Nahsicht, als er in Paris zum ersten Mal die Großstadt erlebt. Hier malt er den Blick über die Dächer, auf dem noch ländlichen Montmartre. Klassische Landschaftsbilder sind dies ebenso wenig wie später die Ansicht vom Eingang des Stadtparks in Arles oder die pulsierenden Heuhaufen auf einem Feld in Auvers. All diese Bilder lassen aber auf hervorragende Weise und mit großem Genuss den Weg vom Autodidakten in Holland zum selbstbewussten Meister in der Provence nachvollziehen.
Zumal in Basel auch viele unbekanntere Werke von hoher Qualität aus privaten Sammlungen und abgelegeneren Museen zu sehen sind. skoh Ausstellung: "Vincent van Gogh - Zwischen Erde und Himmel: Die Landschaften", Kunstmuseum Basel, 26. April bis 27. September. Katalog: Hatje Cantz Verlag, 59 Franken, im Buchhandel 39,80 Euro. Internet: www.vangogh.ch
Bildunterschrift:
Pulsierende Heuhaufen: "Feld mit Korngarben" (1890, 50 x 100 cm)
"Eingang zum Park in Arles mit Spaziergängern" (1888, 73 x 91 cm)
