Ausgabe: 03 / 2009

Studio - Aktionskomitee der Pariser Aktmodelle

Es war bitterkalt, als das Aktionskomitee der Pariser Aktmodelle im Hof der Kulturdirektion für mehr Lohn und Anerkennung demonstrierte - nackt natürlich. Bibbernd schwenkte es Fahnen des linksgemäßigten Gewerkschaftsbunds Force Ouvrière. Grund war das Verbot, das "Cornet" anzunehmen - ein Papiertütchen, in dem nach den Sitzungen für die Modelle Trinkgeld gesammelt wird. Es handele sich dabei um Schwarzgeld - so die offizielle Begründung.

"Bürokratenirrsinn!", sagen die Modelle. "Wir sind mit zehn Euro Stundenlohn ja nicht mal steuerpflichtig."

Mit einem Tempo von 50 Kilometern pro Stunde klatscht das rote Wachs aus dem Katapult an die Wand des Museums für angewandte Kunst in Wien. Klar, dass Anish Kapoor dahinter stecken muss, der sich seit 2000 immer wieder mit dem bewusst an Fleisch und Blut erinnernden Material beschäftigt. Das MAK zeigt in der Schau Shooting into the Corner noch vier weitere große Wachsarbeiten, von denen Kapoor drei eigens für diese Ausstellung konzipiert hat. Bis zum Ende am 19. April soll das Gewicht der Skulptur noch auf 20 Ton nen anwachsen. Infos unter: www.mak.at

SCHNELLDEUTUNG Verborgene Gesten Die Porträts von Frans Hals (um 1580 bis 1666) waren im 17. Jahrhundert bei Auftraggebern heiß begehrt. Der Kunsthistoriker Pieter Biesboer erklärt, warum "Frans Hals war sehr geschickt darin, diffizile hierarchische Beziehungen durch gut gewählte Gesten darzustellen.

Nehmen wir das Porträt der "Regentinnen des Altmännerhospizes in Haarlem" von 1664, das noch bis 7. Juni in der Münchner Hypo-Kunsthalle zum ersten Mal in Deutschland zu sehen ist. Die Schau heißt "Frans Hals und Haarlems Meister der Goldenen Zeit".

In der Mitte "thront" die Präsidentin (1) mit Fächer (2) und Handschuhen (3) als Zeichen von Würde und Reichtum. Links außen sitzt die Schatzmeisterin (4), die mit der geöffneten rechten Hand (5)

Geld empfängt und es mit der zählenden linken (6), in der sie eine Münze hält (7), spendet. Vor der Sekretärin (8) liegt das Haushaltsbuch (9). Zur Rechten der Präsidentin sitzt ihre Assistentin (10). Ganz hinten steht die Innenmutter (11), die kocht und putzt. Da sie auf der Straße keinen Schleier trägt, ist ihr Teint dunkler (12) als der der Damen. Dass sie keine Entscheidungsträgerin ist, erkennt man an dem Zettel (13), den sie der Präsidentin zur Unterschrift reicht. Die Kleidung der Damen ist amtsangemessen schlicht, aber kostbar. Die Präsidentin trägt einen Kragen (14) aus dünn gewebtem Leinen, der von Schleifen (15) geschlossen wird. Die anderen Kragen werden von Bleiquasten (16, 17, 18) beschwert. Die ehrenamtlich tätigen Damen sitzen vor einem Landschaftsbild (19) mit dem barmherzigen Samariter, um ihre Nächstenliebe und Tugendhaftigkeit zu betonen.

Die Regentinnen kümmerten sich um etwa 100 arme alte Männer. In Ausnahmefällen betreuten sie auch geistig Behinderte wie zum Beispiel einen der Söhne von Frans Hals - das war allerdings schon in den 1640er Jahren, also lange bevor Hals dieses Porträt malte."

....Beinahe wäre Jim Lambie als Rockstar berühmt geworden. Aber den Durchbruch erlebte die schottische Band "Teenage Fanclub", deren Xylophonist er war, in den neunziger Jahren ohne ihn. Lambie war ausgestiegen und hatte sich auf bunte Klebestreifen spezialisiert - erfolgreich!

2005 wurde er für den Turner- Preis nominiert. Musik sei aber immer noch seine Inspiration, sagt er. Besonders gut zeige das die neueste Schau "Unknown Pleasures" im Tokioter Hara-Museum (bis 29. März). Die schwarzweißen Streifen erinnern ihn an Schallplattenrillen. Fünf Museumsräume hat er so beklebt und mit unterschiedlichen Objekten gefüllt:

Stühle, Handtaschen, Rockstarposter.

Zöllner wird Künstler: Henri Rousseau, "Selbstbildnis" (1890), Optiker wird Direktor der Berliner Nationalgalerie: Udo Kittelmann KLEINE ENZYKLOPÄDIE DER KUNSTKLISCHEES (22)

Autodidakt, der: m., Sg., [von griech. outóc "selbst" und oioáokw "lehren"], jmd., der sich Wissen o. Fertigkeiten ausschl. durch Selbst­unterricht aneignet. Ist das Streben von Erfolg gekrönt, eignet sich diese oft als entbehrungsreich und schamvoll empfundene Lebens­etappe bestens zur retrospektiven Legendenbildung. Das ist im Vorweg allerd. kaum planbar, da die Gleichung Fleiß + Askese = Genie zwar simpel aussieht, aber de facto nur in den seltensten Fällen aufgeht.

FRÜHE ERKENNTNIS - KINDER ERKLÄREN KUNST (4)

Jessica, 6, über "Adam und Eva" von Albrecht Dürer (1504)

Ein Mann hält sich an einem Ast fest, auf dem ein Papagei sitzt. Neben ihm steht seine Frau. Und dann sind da noch eine Kuh, eine Ziege, ein Hase, eine Katze, eine Maus und eine Schlange. Der Mann und die Frau füttern die Tiere, aber ein Zoo ist das nicht. Im Zoo sind Tiere in Käfigen.

Ich glaube, das ist die Wildnis. Die Frau gibt der Schlange Kokosnüsse. Ich mag Kokosnüsse, aber man kann nicht so viel davon essen, weil sie so satt machen.

Mit dem Kindergarten haben wir mal einen Ausflug in den Wald gemacht. Das war schön! Da haben wir Hasen gesehen. Ich hätte auch gern einen Hasen - nein, drei! Chakri, Charlie und Lola. Wenn die Maus auf dem Bild nicht aufpasst, wird sie von der Katze gefressen.

Wenn die Katze nicht aufpasst, wird sie von der Ziege gefressen. Und wenn die Kuh nicht aufpasst, wird sie von den Menschen gegessen. Ich glaub', ich hab' auch Hunger!

Bildunterschrift:

Hals-Spezialist Pieter Biesboer

Reich und tugendhaft: Frans Hals' "Regentinnen des Altmännerhospizes in Haarlem" (1664)

Zöllner wird Künstler: Henri Rousseau, "Selbstbildnis" (1890), Optiker wird Direktor der Berliner Nationalgalerie: Udo Kittelmann

Musik im Kopf: Jim Lambies "Train in Vain" (2008) im Tokioter Hara- Museum für zeitgenössische Kunst

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