Ausgabe: 02 / 2009
Seite: 104
Schwerer Klotz
Von
Valerio Olgiati: ein Star der Schweizer Architektenszene
Für das gelbe Haus in Flims hat Valerio Olgiati ein rohes Steinmauerwerk gekalkt. Sein neues Büro ist ein schwarzer Klotz aus Holz und Beton. Das Besucherzentrum für den Schweizerischen Nationalpark in Zernez sitzt wie ein erratischer Monolith am Rand des Dorfes. Die Bauten des 1958 geborenen Schweizers sind wuchtige Körper, die ihre Umgebung verändern und sich doch in sie einfügen.
Der Sohn eines Architekten hat selbst bisher wenig gebaut.
Was er realisiert, hat immer auch den Charakter eines Schmuckstücks.
Da verwundert es nicht, dass der Werkkatalog mit ähnlicher Sorgfalt und Eindringlichkeit daherkommt. Schwer wie ein Backstein, in aufwändiger vierteiliger Bogenbroschur, entfaltet er auf 190 kartondicken Seiten das überschaubare Werk. Die argumentativ angeordneten 70 Bauten, Projekte und Möbelentwürfe führen wie ein Film durch die Fantasie eines Architekten, der alles aus der Verdichtung schöpfen will. Einleitende Texte runden das schwere Buch ab. G. M.
Laurent Stalder (Hrsg.): Valerio Olgiati.
Verlag der Buchhandlung Walther König.
190 S., 230 Abb., 58 Euro. Ausstellung:
19. Februar bis 29. März, Accademia di Architettura, Mendrisio/Tessin
Kasten:
Sein Fotoprojekt "Combat Zone" (Kampfzone) aus den sechziger Jahren zeigt, wie sich der US-Fotograf Jerry Berndt einem Thema nähert:
Unaufgeregt, schnörkellos, aber dennoch sensibel und genau porträtierte er die Frau am Fenster einer Kneipe auf der "Washington Street" (1967) im Rotlichtviertel von Boston. Noch bis 15. Februar sind seine Aufnahmen bei C/O Berlin im alten Postfuhramt zu sehen.
Bildunterschrift:
Maik Schlüter, Felix Hoffmann (Hrsg.): Jerry Berndt.
Insight. Steidl Verlag. 224 S., 121 Abb., 35 Euro
