Ausgabe: 02 / 2009
Seite: 104

Die Sache mit dem Ohr

Von

Mutmaßungen über van Gogh und den Fechter Gauguin

Soviel steht fest: Nach einem Streit mit seinem Kollegen Paul Gauguin am Vorweihnachtsabend 1888 auf der nachtdunklen Place Lamartine von Arles fehlte am Kopf des Malers Vincent van Gogh ein Ohr. Aber wer war's?

Der vermutlich bewaffnete Gauguin trennte es dem Freund mit seinem Säbel ab, behauptete die Kunsthistorikerin Rita Wildegans 2001 im "Spiegel" und widersprach der gängigen These von der Selbstverstümmelung van Goghs mit schütteren Indizien, die einigen Medienwirbel, aber kein Umdenken der Forschung bewirkten. Beweise schuldig bleibt nun auch die wortreiche, zusammen mit dem Philologen Hans Kaufmann verfasste Buchversion - notgedrungen.

Es gab keine Tatzeugen, van Gogh berief sich auf totalen Blackout, und Gauguin, der zwar in verdächtiger Eile abreiste, hinterließ zweifelhafte Berichte, doch kein Geständnis.

Glaubhafter erhellen die Autoren einen Nebenaspekt: Ohrläppchen oder Ohr? Ihre Quellen bekunden, dass van Gogh sich weit mehr Ohr abschnitt als nur das von der Fachwelt konzedierte Stückchen. A. N.

Hans Kaufmann und Rita Wildegans:

Van Goghs Ohr. Osburg Verlag. 392 S., 28 Abb., 22.90 Euro

Bildunterschrift:

Van Gogh: Selbstbildnis (1889)