Ausgabe: 02 / 2009
Seite: 102
"Quantensprung für Gotha"
Von Susanne Altmann
Masterplan: Sanierung von Schloss und Museum steht fest
Das frühbarocke Schloss Friedenstein ist imposant: Zur Anlage gehört das herzogliche Museum, das eine Kunstsammlung von Weltrang besitzt, es gibt eine alte Bibliothek mit kostbaren Stücken, mehrere schöne Parkanlagen - und doch ist das eindrucksvolle Ensemble im thüringischen Gotha etwas in Vergessenheit geraten.
Dies will Martin Eberle, Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, ändern und den "Mythos Gotha wieder weltweit ins Gespräch bringen". Dabei helfen ihm zehn Millionen Euro an Bundesmitteln, die ab 2010 in die Sanierung des Schlosses fließen.
Diese Rettungsmaßnahme ist überfällig. Denn bislang befinden sich die Kunstschätze, darunter Werke von Lucas Cranach und Peter Paul Rubens, unter unhaltbaren klimatischen und restauratorischen Bedingungen im Schloss, während im Museumsbau zur Zeit die naturkundliche Sammlung untergebracht ist. Wertvolle Artefakte stapeln sich ohne Brandschutz in Dachkammern, Hausschwamm breitet sich aus. Die Präsentation der Gemälde und Skulpturen ist wie die Elektrik veraltet, der Bestandskatalog der Gemälde sammlung stammt von 1884.
Eberle, der 2007 sein Amt antrat, hat einen Masterplan entworfen, der ein modernes Depotgebäude und die Neunutzung des herzoglichen Museums als Gemäldegalerie vorsieht. Ende 2008 kam endlich aus Berlin die überraschende Finanzierungszusage.
Doch für den Freistaat Thüringen war diese Nachricht auch ein Schock, denn wie sollte man die geforderte Kofinanzierung von zehn Millionen Euro stemmen?
Zumal das Land noch an dem Zuschuss einer 45-Millionen-Geldspritze für die Klassik-Stiftung Weimar zu tragen hat. Gleichzeitig räumt die leitende Ministerialrätin des Erfurter Kultusministeriums, Elke Harjes-Ecker, ein:
"Für Gotha ist das ein Quantensprung." Im Eiltempo versucht sie nun mit Gothas Stadtrat, ein Finanzierungsmodell zu erarbeiten.
Wobei klar ist, dass die Stadt selbst nur einen Bruchteil beisteuern kann. Im Gespräch sind aber auch EU-Gelder.
Schon 2012, so der Plan, soll das neue Depot eingerichtet sein, die Kunstsammlung im sanierten Museumsbau einziehen und Besucher aus aller Welt anlocken.
Internet: www.stiftungfriedenstein.de
Bildunterschrift:
Kein angemessenes Depot: Kunstschätze im Dachboden des Schlosses
Imposante Anlage:
Schloss Friedenstein in Gotha - im Vordergrund das herzogliche Museum
