Ausgabe: 02 / 2009
Seite: 100
Der deutsche Käufer ist stabil
Von Joachim Hauschild
Auktionen: Deutsche Häuser zeigen sich krisenresistent
Während die internationalen Auktionshäuser vor allem im Bereich der zeitgenössischen Kunst mit heftigen Rückgängen und mit Umsatzeinbußen von fast 50 Prozent zu kämpfen hatten, sind die großen deutschen Häuser bis jetzt - so scheint es - von der Krise verschont geblieben.
Ein Zwischenbericht:
"Wir haben uns doch alle gefragt:
Wann platzt die Blase?", sagt etwa Katrin Stoll vom Münchner Auktionshaus Neumeister, doch der deutsche Kunstmarkt sei "grundsolide". Einzige Folge der Krise: "Es wird selektiver gekauft." Eine Einschätzung, die auch Ernst Nolte vom Auktionshaus Hauswedell & Nolte in Hamburg teilt:
"Die Leute kaufen, was sie kennen, das ist hier eben deutsche Kunst vom Expressionismus bis etwa 1950. Dafür spricht auch unser Rekord von 140 000 Euro für Ernst Barlachs Bronze ,Das Wiedersehen'.
Das wird sich fortsetzen.
Das Unbekannte, Ungewöhnliche wird weniger gefragt sein." Zufrieden ist auch Robert Ketterer von Ketterer Kunst: "Unsere Verkaufsquote hat sich sogar gegenüber dem Frühjahr um etwa zehn Prozent erhöht. Allerdings muss ich sagen: Es gibt mehr Rückgänge im mittleren und unteren Bereich, Kunst, die sie immer wieder auf Auktionen finden, wird es künftig schwerer haben. Ausge fallen sind uns Käufer aus den USA, England und vor allem Italien." "Italienische Käufer fehlten, sowohl bei der Moderne wie bei der alten Kunst", resümiert auch Henrik Hanstein von Lempertz in Köln, wo mit den 392 000 Euro für Emil Noldes ,Abendliche Marschlandschaft (Seebüll)' ein Rekord für ein Aquarell des Künstlers eingefahren wurde. Hanstein:
"Wir konnten Verluste bei der Moderne durch Erfolge bei der alten Kunst ausgleichen. Aber eins steht wohl fest: 2009 wird ruhiger." Verluste bei der Moderne konnten auch anderswo kompensiert werden, so bei Neumeister, wo der Verkauf der mehrmals ausgestellten Afrika-Sammlung von Walter Bareiss Käufer auch aus den USA anzog.
Dass Nolde eine sichere Bank ist, bewahrheitete sich auch bei Ketterer, der für ein frühes Ölbild des Künstlers ("Landschaft", 1909) brutto 900 000 Euro verbuchen konnte. "", weiß auch Micaela Kapitzky von Grisebach in Berlin: "Bei uns ist es hervorragend gelaufen.
Da wir auch früher schon wenig spekulierende Käufer angezogen haben, sind wir nicht ge troffen.
Was in Zukunft noch mehr als bisher zählen wird, sind Qualität und Marktfrische." Das galt hier für Ernst Ludwig Kirchners seltene Farblithografie "Kokottenkopf in Federhut" (1909/10), die brutto 618 800 Euro einspielte.
Ist die alte Kunst auf dem Vormarsch?
Rupert Keim von Karl & Faber in München, einem Haus, das traditionell der alten Grafik verbunden ist, notiert auch hier Rückgänge im unteren Bereich, ist aber gleichwohl mit dem Ergebnis der Jubiläumsauktion zum 85- jährigen Firmenjubiläum zufrieden.
Den Spitzenpreis erzielte mit 105 000 Euro ein dem spanischen Künstler Jusepe de Ribera (1591 bis 1652) nur zugeschriebenes Blatt ("Die letzte Fahrt"). Der Einlieferer hatte die Zeichnung 1978 im selben Haus für 950 Mark erworben.
Keim: "Leute, die so was sammeln, haben immer Geld." Die Auktionshäuser sind sich einig: Händlerware wird künftig problematischer abzusetzen sein, manche Sammler, die es sich leisten können, werden in der Krise nicht einliefern. Andererseits:
Nachlässe und so genannte Notverkäufe wird es immer geben. Katrin Stoll cool: "Man muss realistisch sein. Für Käufer bietet sich in der Krise eine hervorragende Möglichkeit, ultimativ viel Qualität fürs Geld zu bekommen."
Bildunterschrift:
Ernst Ludwig Kirchners "Kokottenkopf in Federhut" (1909/10) erzielte bei Grisebach 618 800 Euro
Emil Noldes "Landschaft" (1909) brachte bei Ketterer 900 000 Euro
