Ausgabe: 02 / 2009
Seite: 97
Schluss mit Dornröschenschlaf
Von Susanne Altmann
Museum: Bürgerverein will die Kunsthalle Rostock betreiben
Die Kunsthalle der Hansestadt Rostock steckt seit Jahren in der Krise. Zwei Direktorinnen (Anni Bardon und Katrin Arrieta) gaben schon entnervt die Leitung der chronisch unterfinanzierten Institution auf, weil sich die Stadt nicht zu einem klaren finanziellen Bekenntnis durchringen konnte. 2006 wurde die Direktorenstelle gestrichen. Dabei ist die 1969 eröffnete Kunsthalle, der einzige Neubau eines Kunstmuseums aus DDR-Zeiten, mit seiner umfangreichen Sammlung ostdeutscher Kunst durchaus attraktiv.
Doch immer wieder ist die Schließung des Hauses, das derzeit vom Kulturhistorischen Museum kommissarisch mitgeleitet wird, im Gespräch.
Nun, pünktlich zum 40. Geburtstag, naht Rettung - doch nicht etwa von Seiten der Kommune.
Dem Rostocker Zahnarzt und Geschäftsmann Jörg-Uwe Neumann ist der kulturelle Kahlschlag zu viel. "Die Kunsthalle muss aus dem Dornröschenschlaf zurück in die Museumslandschaft", befindet er. Mit Gleichgesinnten gründete er den Verein "Pro Kunsthalle" und bot den ehrenamtlichen Betrieb der Kunsthalle an. Dabei verbliebe das Museum und seine Sammlung im städtischen Besitz, bekäme weiter eine Basisfinanzierung.
Der Verein spingt da bei zunächst für drei Jahre wie ein Pächter ein und übernimmt die Verantwortung für Organisation, Ausstellungen und Mehrkosten.
Neumann will 50 000 Euro Eigenkapital einbringen. Zu dem müsste er jährlich steigende Konzession an die Stadt bezahlen: erst 10 000 Euro, dann 30 000 und 35 000 Euro.
Mit Eintrittsgeldern und Vermietungen strebt er langfristig Wirtschaftlichkeit an. "Natürlich gibt die Person eines Zahnarztes im dem Zusammenhang oft Anlass zum Schmunzeln", räumt Neumann ein und verweist darauf, dass sich um das künstlerische Programm Experten kümmern sollen. Es gebe schon Treffen mit freien Kuratoren, die auch junge Kunst aus Berlin und Leipzig an die Ostsee bringen sollen: "Wir sitzen in den Startlöchern!" Noch berät die Rostocker Bürgerschaft über das Modell. Wie auch immer die Entscheidung ausgeht, der Vorgang gleicht einer Bankrotterklärung. Rostocks Kultursenatorin Liane Melzer sieht das ähnlich: "Kulturleistungen, die keine Pflicht sind, werden entweder aufgegeben oder in fremde Hände gelegt. Ich habe immer noch die Illusion, dass der Bund eine Verpflichtung gegenüber der Kunsthalle empfindet." Doch warum sollte sich der Bund engagieren, wenn weder die Stadt noch das Land Mecklenburg-Vorpommern Handlungsbedarf sehen?
Internet: www.kunsthallerostock.de
Bildunterschrift:
Will die Rostocker Kunsthalle aus ihrem Dornröschenschlaf wecken: Jörg- Uwe Neumann
