Ausgabe: 02 / 2009
Seite: 77
Zwischen Größenwahn und Zerstörung
Von Till Briegleb
Die Ausstellung in der Kunsthalle nähert sich dem Phänomen Charles Manson
HAMBURG: MAN SON 1969. VOM SCHRECKEN DER SITUATION
Er war einer der bizarrsten Erscheinungen der Nachkriegsgeschichte und ein medialer Superaufreger selbst im ereignisreichen Jahr 1969. Trotz erster Mondlandung, Massendemonstrationen gegen den Vietnamkrieg und My Lai, trotz Woodstock und dem letzten Konzert der Beatles, sind die bestialischen Morde durch die Mitglieder von Charles Mansons "Family" - unter anderem Roman Polanskis Ehefrau Sharon Tate - bis heute umgeben von der Aura des Unbegreiflichen. Die Verbindung von Messianismus und Rassismus, Hippiekultur und Gewalt, Welterlösungsfantasien und Kleinkriminalität ist vermutlich eines der verdrehtesten Lebensentwürfe, die das Zeitalter zu bieten hatte - konnte die orgiastischen Mordtaten aber letztlich nie ganz erklären.
Das möchte die Ausstellung "Man Son" in der Hamburger Kunsthalle auch mit dem Abstand von 40 Jahren gar nicht erst versuchen. "Wir wollten keine Aufklärungsausstellung machen, die den üblichen Mythen um Charles Manson neue Thesen hinzufügt", erklärt Kurator Dirck Möllmann. "Man Son 1969. Vom Schrecken der Situation", unternimmt vielmehr den Versuch, einem Moment der Geschichte nahe zu kommen, in dem die gegensätzlichsten Phänomene sich aneinander entzündeten.
Die 37 eingeladenen Künstler widmen sich vordringlich Mansons irrationaler Symbolik und ihrer gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.
Dennis Scholl malte einen Fries, der Mansons Ideologie ins Verhältnis zu New-Age-Träumereien setzt, während Till Gerhard den Zusammenhang zwischen Mansons Erlösungstheorie "Helter Skelter" und dem Beatles-Song so wie der ursprünglich so benannten Kirmes- Rutsche in einer Installation nachvollzieht.
Bezüge zum Terrorismus tauchen in den Arbeiten von Astrid Proll und Josephine Meckseper auf, Teresa Margolles lässt Menschenfett von der Decke tropfen, und Douglas Gordon zeigt seine Porträts von Janis Joplin sowie Mick und Keith mit ausgebrannten Augen und Mündern, um die Nähe von Größenwahn und Zerstörung zu zeigen.
Termin: 30. Januar bis 26. April.
Internet: www.hamburger-kunsthalle.de
Bildunterschrift:
Josephine Meckseper:
"RAF Tray" - CPrint (51 x 41 cm) von 2002
