Ausgabe: 02 / 2009
Seite: 78
Inspiration aus fremden Welten
Von Petra Bosetti
Die Fondation Beyeler vereint Kunst aus Afrika und Ozeanien mit der Moderne
BASEL/RIEHEN: BILDWELTEN
Vor knapp einem Vierteljahrhundert schrieb das New Yorker Museum of Modern Art Geschichte. Unter dem Titel" ,Primitivism' in 20th Century Art" zeigte das Haus zum ersten Mal umfassend auf, wie die Kunst vor allem Afrikas und Ozeaniens die Moderne und Künstler wie Pablo Picaso, Henri Matisse oder Paul Gauguin inspiriert hatte. Nichts, das belegte die Schau, habe der Kunst "ästhetisch so starke Impulse gegeben wie die ‚primitiven Skulpturen'", so der ehemalige Direktor der Hamburger Kunsthalle, Uwe M. Schneede.
Jetzt findet die New Yorker Pioniertat eine Fortsetzung in der Fondation Beyeler, die eine beeindruckende Fülle an Werken vor allem der Klassischen Moderne besitzt. Daneben hatten Ernst und Hildy Beyeler auch Kunst aus Afrika und Ozeanien gesammelt. Dieser kleine, erlesene Bestand soll nun die Hauptrolle spielen.
"Die Fondation Beyeler probt die Umkehrung der angestammten Verhältnisse und Gewichtungen in ihrer Sammlung", heißt es dazu. Allerdings werden die eigenen Bestände ergänzt durch rund 180 Objekte aus 25 öffentlichen und privaten Sammlungen - Werke afrikanischer Künstler unter anderem der Fang (Kamerun, Gabun), der Senufo (Elfenbeinküste, Mali), der Mumuye (Nigeria) und der Dogon (Mali), dazu Arbeiten aus Neuguinea aus Polynesien und Mikronesien.
Die außereuropäischen Kunstwerke begegnen Bildern der Klassischen Moderne.
Im Vordergrund steht die menschliche Figur. Da treffen zum Beispiel mächtige Ahnenbildnisse vom Stamm der Mundugumor auf "Sitzende", die Pablo Picasso in den dreißiger und vierziger Jahren malte.
Fast abstrakte Figuren aus Mikronesien finden sich in Gesellschaft eines Gemäldes von Henri Rousseau und einer Vogelskulptur von Constantin Brancusi.
Termin: 25. Januar bis 24. Mai. Katalog: Christoph Merian Verlag, 78 Franken. Internet: www.beyeler.com
Mehr Abbildungen zur Ausstellung finden Sie unter: www.art-magazin.de/bildwelten
Bildunterschrift:
Vier weibliche Figuren aus Mali (um 1850) treffen auf Cézannes Bild "Madame Cézanne im gelben Sessel" (1880/90)
