Ausgabe: 12 / 2009
Seite: 89
Kunstspielplatz
Von Ute Thon
KRITIK Wiedersehen macht Freude - Hommage an Gianni Colombo, Italiens Meister der kinetischen Kunst
Gianni Colombo Castello di Rivoli, Turin, 16.9.-10.1.2010
Wenn einer ein Denkmal für den Widerstand gegen den Faschismus gestaltet und hinterher einen Kinderspielplatz, darf man wohl von künstlerischer Spannbrei te sprechen. Für Gianni Colombo (1937 bis 1993) waren das keine unvereinbaren Aufgaben. Der Mailänder Künstler arbeitete zeitlebens an der Schnittstelle zwischen Kunst und Leben. Wie wichtig dabei Humor und Experimentierfreude sind, zeigt die sehenswerte Ausstellung (Katalog: Verlag Skira, 55 Euro). Beeinflusst von Dada, Futuristen und Surrealismus entwarf Colombo schon früh Bilder mit pulsierenden Strukturen, rotierende Plastiken und elastische Räume. Highlight der Schau ist sein "Spazio elastico", ein begehbarer Schwarzlichtkubus mit geometrisch verspannten leuchtenden Schnüren, die von unsichtbaren Motoren so manipuliert werden, dass die räumliche Wahrnehmung ins Wanken gerät. Mit der Installation gewann Colombo 1968 den Großen Preis der Venedig-Biennale.
Bildunterschrift:
"Topoestesia"-Rauminstallation (1965/70)
