Ausgabe: 12 / 2009
Seite: 105
"Da kann man richtig gut spielen"
Von Angelika Kindermann
MUSEUM Kunstwerk im Test: Kinder in Olafur Eliassons neuem Spielzimmer
Olafur Eliasson ist eigentlich bekannt für seine aufwändigen, sinnlichen Installationen.
Der Raum hier "ist ein authentisches Kunstwerk, den jüngsten Museumsbesuchern gewidmet", so Jürgen Blankenburg von der Stiftung für die Hamburger Kunstsammlungen, die das Projekt in der Kunsthalle mit einem sechsstelligen Betrag ermöglicht hat. Unser Testerteam, sechs bis neun Jahre alt, ist an solchen Informationen nicht interessiert. Es stürmt an den weißen Tisch, in dessen Mitte sich die bunten "Zometools" türmen. Diese Plastikstäbchen können mit Hilfe von löchrigen Kugelgelenken verbunden werden. Die Gitterkonstruktionen rings um den Bautisch sind bereits mit fantastischen Stäbchenkonstruktionen bestückt.
Sogar über den Köpfen der Kindern baumeln Sternfiguren. "Toll, das mach ich auch!", erklärt Emma. "Zu wenig Platz!", meckert Maxim, dessen Turm zusammengekracht ist, weil sein Nachbar die Arme gestreckt hat. Lucie und Julie, die an einem strengen Architekturmodell arbeiten, haben sich vor dem Grafikschrank einen Platz erobert.
Zwar kann nun keiner die Schubladen öffnen und die Blätter zur kleinen Themenausstellung "Spiegelei" bestaunen, aber der Bau wächst. Für Kunstbetrachtungen haben unsere Tester ohnehin nichts übrig: Interesse an den Gemälden am Eingang und dem Fragespiel dazu? "Das ist was für Große", stellt Lucie klar. Nach zwei Stunden ziehen die vier, beschenkt mit Fotos von sich und ihrem Werk, ab. Ihr Fazit: "Im Museum kann man richtig gut spielen!"
Bildunterschrift:
Voller Einsatz am Bautisch im "Hamburger Kinderzimmer", von Olafur Eliasson entworfen
Stäbchen mit vielen Möglichkeiten: die Zometools
