Ausgabe: 12 / 2009
Seite: 95

Kein Wettbewerb mit Monet

Von Stefan Lddemann

VORSCHAU Das Missing Link zwischen Romantik und Moderne wird in einer Ausstellung neu entdeckt

Der deutsche Impressionismus Kunsthalle Bielefeld, 22.11.-28.2.2010

STEFAN LÜDDEMANN

Der Maler hat keinen Blick für die Sensation.

1874 ist Max Liebermann, die spätere Leitfigur des deutschen Impressionismus, in Paris. Doch statt die erste Ausstellung der Impressionisten zu besuchen, fährt er auf das Land, trifft Jean-François Millet.

"Die deutschen Impressionisten sind keine Nachfolger der Franzosen", sagt Jutta Hülsewig-Johnen. In der Kunsthalle Bielefeld stellt sie jetzt vor, was hinter Monet, Renoir oder Pissarro bislang stets zurückstehen musste: den deutschen Impressionismus.

Rund 180 Bilder fügen sich zu einem repräsentativen Überblick (Katalog: DuMont Buchverlag, 24,80 Euro, im Buchhandel 29,95 Euro). Mit Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt bietet die Schau bekannte Protagonisten auf. Aber wer erinnert sich heute noch an Gotthardt Kuehl, Hermann Pleuer oder Maria Slavona? "Viele dieser Künstler haben wir heute überhaupt nicht mehr im Blick", sagt die Kuratorin.

Den Wettbewerb mit den französischen Impressionisten will das Bielefelder Haus jedoch auf keinen Fall eröffnen. Denn die deutsche Spielart dieser Stilrichtung hatte sich nicht nur mit einer Verspätung von rund zwei Jahrzehnten entfaltet. Auch die malerischen Unterschiede werden schnell deutlich. In Deutschland verwendeten die Maler eine dunklere Farbpalette, hielten am gegenständlichen Bildmotiv fest und wendeten sich anderen Bildgattungen zu.

Im Gegensatz zu den Stadtbildern der Franzosen malten die deutschen Impressionisten ländliche Motive und Szenen aus der Arbeitswelt. Für Hülsewig-Johnen komplettiert die Bielefelder Ausstellung das Bild der Kunst des 20. Jahrhunderts. Für sie sind die deutschen Impressionisten ein "wichtiges Missing Link" zwischen Romantik und Moderne.

Bildunterschrift:

Hans Meyer-Cassel: "Strandpromenade", Ölbild (89 x 128 cm) entstanden um 1910/15