Ausgabe: 12 / 2009
Seite: 52-61

Lichtbilder und Leidenschaft

Von Stefan Koldehoff

Fotografie gilt auf dem Kunstmarkt immer noch als zweitklassiges Medium - trotz der Erfolge von Demand, Gursky und Co. Doch einige Experten arbeiten leidenschaftlich daran, dieses Image zu verändern. Zu Besuch bei Deutschlands wichtigsten Fotogaleristen

Die große Frage, über die noch in den siebziger Jahre Kunsthistoriker auf der ganzen Welt hitzig debattierten, ist geklärt:

Natürlich ist die Fotografie kein Medium, das nur reproduziert. Sie hat Kunstwerke von höchster Qualität hervorgebracht, und auch diese Kunst gehört ganz selbstverständlich ins Museum. Bei den privaten Sammlern scheint diese Nachricht aber noch immer nicht angekommen zu sein. "Machen wir uns doch nichts vor", sagt der Berliner Fotogalerist Hendrik A. Berinson: "Der Fotomarkt war immer sehr klein, und er ist es nach wie vor geblieben. Ich sehe in meinem Bereich, der frühen Klassischen Moderne, auch nicht, dass in den vergangenen zehn Jahren viele dazugekommen wären." Und seine Kölner Kollegin Priska Pasquer ergänzt:

"Mir ist es in all den Jahren nicht ein einziges Mal gelungen, einen großartigen Vintage- Print von August Sander an Sammler zu vermitteln, die Malerei der Neuen Sachlichkeit besitzen. Sobald es um das Medi um der Fotografie geht, fällt da eine Klappe runter." Akzeptiert sei die Fotografie durchaus, bewertet Thomas Zander aus Köln:

"Aber verstanden noch nicht. Und das liegt auch daran, dass dieses Medium zu wenig vermittelt wird." Dass der Kunstmarkt boom der vergangenen Jahre auch für Rekordpreise für Fotografien von Andreas Gursky, Thomas Struth oder Thomas Ruff gesorgt hat, bescherte dem Medium Lichtbild zwar kurzfristig eine erhöhte Aufmerksamkeit. Er spielte sich aber im Wesentlichen in den Auktionssälen ab und wird von vielen Galeristen als Modephänomen abgetan.

Die Wiege des deutschen und später des europäischen Marktes für Fotografie stand im Rheinland. Hier holte ab 1950 der Journalist L. Fritz Gruber mit der Messe "photokina" die internationale Fotografie nach Deutschland und trug die deutsche Fotografie hinaus in die Welt. Hier gründeten Pioniere wie Ann und Jürgen Wilde oder Rudolf Kicken und Wilhelm Schürmann die ersten Fotogalerien - und konnten sich nur auf wenige Kuratoren in deutschen Museen verlassen, die dem Medium dieselbe Leidenschaft entgegenbrachten wie sie. Bis heute hat sich daran nicht viel geändert, sind die hervorragenden Fotosammlungen, die Ute Eskildsen im Essener Museum Folkwang, Janos Frecot in der Berlinischen Galerie, Theo Immisch im Museum Stiftung Moritzburg in Halle, Bodo von Dewitz im Kölner Museum Ludwig oder Thomas Weski im Sprengel-Museum Hannover zusammengetragen haben, Solitäre.

Schon deshalb waren die Fotogalerien so etwas wie die ersten Global Players am internationalen Kunstmarkt. "Ohne Amerika hätte ich nicht überlebt", weiß der Doyen der Szene, der heute in Berlin lebende Galerist Rudolf Kicken: "Am Anfang gingen 80 Prozent der Verkäufe dorthin." Über Messen und Kooperationen mache sie deutlich mehr Umsatz als in ihrer Galerie mitten in der Kölner Innenstadt, bestätigt auch Priska Pasquer - trotz Nachbarschaft zur größten deutschen Kunstbuchhandlung, Walther König, und der einzigartigen Fotobuchhandlung von Christoph Schaden.

Durch die internationalen Verbindungen ist aber auch die globale Finanzkrise an den deutschen Fotogalerien nicht spurlos vorbeigegangen.

Den Trend hin zu den billigen Angeboten des Berliner Fotoversandhandels Lumas mit Ladengeschäften in zahlreichen Großstädten gab es schon vorher.

Nun aber lasse sich nur noch Spitzenware verkaufen, bestätigen alle deutschen Fotogaleristen.

"Ich höre im Augenblick häufig die Frage, ob ein bestimmter Abzug eines bestimmten Motives denn auch wertbeständig ist", sagt der Kölner Galerist Thomas Zander. Doch Priska Pasquer stellt auch fest, die alten Sammler und die Museen kommen zurück: "Und in den vergangenen beiden Jahren gab es ganz viele junge Käufer im Alter zwischen 25 und 40 Jahren, die bei mir ihre erste Fotografie erworben haben." Der Krieg habe in Deutschland die noch junge Sammlertradition unterbrochen, stellt Pasquer fest: "Hier gab es nach der Film- und Fotoausstellung 1929 in Stuttgart eine Reihe bedeutender Fotosammlungen: die von Carl Georg Heise in Lübeck, die von Kurt Kirchbach in Dresden und die der Berliner Staatsbibliothek zum Beispiel. Dann wurden die Fotografen aber entweder ins Exil getrieben oder umgebracht." Dafür zählten zu den Kunden der deutschen Fotogaleristen seit langem weltweit bedeutende öffentliche Sammlungen wie die des Getty Museum in Los Angeles, des Museum of Modern Art in New York oder der Museen in San Francisco und Houston und angesehene Privatsammler wie Phyllis Lambert, Thomas Walther, André und Marie- Thérèse Jammes, Werner Bokelberg, Elton John oder Bruce Berman.

Im Bereich der Fotografie, weiß Hendrik Berinson, ist es möglich, auch mit vergleichsweise wenig Geld noch eine gute Sammlung zusammenzutragen. Meisterwerke sind durchaus noch zu finden - auch in der Klassischen Moderne. Das berühmte "Bäumchen" von Albert Renger-Patzsch etwa verkörpert für Berinson die Quintessenz im Schaffen des in Deutschland spät entdeckten Neusachlichen. Vier Abzüge des Bil des von 1929 verkaufte der Galerist im Laufe der Jahre selbst: "Das Negativ hat die Kriegszerstörung von Renger-Patzschs Atelier überlebt, und er hat einige Abzüge davon an Freunde verschenkt. Noch vor einem Jahr ist ein solcher Print für wenig mehr als 10 000 Euro angeboten worden - viel zu niedrig für eine solche Ikone der Moderne."

Literatur: Ian Jeffrey: "Photographie - Sehen, betrachten, deuten. Meisterwerke der Photographie von ihrer Erfindung bis heute", Verlag Schirmer/ Mosel 2009; Herbert Molderings: "Die Moderne der Fotografie", Philo Fine Arts, 2008 Mehr zum Thema Fotografie und Sammeln finden Sie unter: www.art-magazin.de/fotogaleristen

Vom Vintage Print zum JPEG: die wichtigsten Fotobegriffe Abzug: Fixierung einer Fotografie auf Papier - entweder durch Vergrößerung und Belichtung von einem Negativ, einem Diafilm, durch direktes Auflegen eines Negativs auf fotoempfindliches Papier (Kontaktabzug) oder von einer Fotodatei. Theoretisch sind von einer Vorlage beliebig viele Abzüge möglich. Bei Abzügen handelt es sich also in der Regel nicht um Unikate, sondern um Kopien einer Fotografie.

Auflage: Anzahl der Abzüge, die von einer fotografischen Vorlage hergestellt werden. Ihre Höhe legen in der Regel der Fotograf oder sein künstlerischer Nachlassverwalter fest. Seriöse Auflagen überschreiten nur selten 20 Exemplare.

Mit der entsprechenden Nummerierung garantiert der Künstler den Käufern, dass nur eine bestimmte Anzahl von Abzügen hergestellt wurde.

Daguerreotypie: frühes fotografisches Verfahren, das der französische Maler Louis Jacques Mandé Daguerre zwischen 1835 und 1839 entwickelt hat. Verden silberte Platten wurden mit Jod und Brom bedampft, in einer Kamera belichtet, über Quecksilberdämpfen entwickelt und mit Zyankalilösung oder Kochsalz fixiert. Das so entstandene seitenverkehrte Bild, von dem sich keine Abzüge herstellen ließen, blieb abwischbar und erschien je nach Blickwinkel als Negativ oder als Positiv.

Digitalfotografie: fotografisches Verfahren, bei dem an Stelle eines lichtempfindlichen Films die Bildinformation auf einem digitalen Medium gespeichert wird.

Die erste Digitalkamera entwickelte 1963 an der Stanford University der Informatiker David Paul Gregg für Videoaufnahmen.

Der Siegeszug des Verfahrens in der Fotografie begann in den achtziger Jahren. Abzüge werden durch Belichtung im Labor oder mit Druckern hergestellt.

Farbfotografie: technisches Verfahren, an dem seit den 1860er Jahren gearbeitet wurde, das sich aber erst 70 Jahre später durchsetzte - in der Werbefotografie. In Verden Museen der Welt blieb der künstlerische Wert von Farbaufnahmen lange Zeit umstritten.

Als Durchbruch gilt die Einzelausstellung des US-Fotografen William Eggleston 1976 im MoMA in New York. Sie begründete Egglestons Ruf als "Vater der Farbfotografie" (art 2/2009).

Fotogramm: unmittelbare Belichtung von Gegenständen auf fotoempfindlichem Papier ohne Kamera.

Dabei sind - je nach Transparenz der Objekte - oft nicht deren Details, sondern nur Konturen zu erkennen. Zu den Künstlern, die diese Technik perfektionierten, zählen Lázló Moholy- Nagy, Man Ray, El Lissitzky, Kurt Schwitters, Christian Schad und Edmund Kesting und in der Gegenwart Floris M. Neusüss.

Fotogramme sind Unikate.

Haltbarkeit: Dauer bis zum Beginn des Zerfallsprozesses einer Fotografie. Durch chemische Prozesse, aber auch durch den normalen Alterungsprozess, durch Luftfeuchtigkeit und vor allem durch Licht verändern sich Fotografien im Laufe der Jahrzehnte.

Gelb- oder Braunfärbung, Ausbleichen, Aussilberung treten dabei auch bei modernen Kunststoffpapieren (PE-Papieren) auf, die industriell hergestellt werden.

Verschiedene Fotogaleristen bieten ihren Kunden deshalb zwei Abzüge zum Preis von einem an: einen zum Aufhängen, einen für die sachgerechte Lagerung.

Inkjet-Print/Laser-Print: Druckverfahren, die vor allem zur Reproduktion von Digitalaufnahmen dienen. Der Inkjet-Print ist ein Tintenstrahldruck in so hoher Auflösung, dass das Farbraster, in das ein Foto dafür aufgelöst wird, nur noch unter starker Vergrößerung zu sehen ist. Beim Laser- Print wird das Motiv mit Hilfe eines Laserstrahls, ohne Negativ, auf Fotopapier belichtet und dann herkömmlich entwickelt und fixiert.

JPEG: Normiertes Datenformat, das die Speicherung und Wiedergabe digitaler Fotografien in einheitlichem Standard ermöglicht.

Entwickelt wurde die offiziell als ISO/IEC 10918-1 angemeldete Norm 1992 von der "Joint Photographic Experts Group" (JPEG).

Modern Print: Abzug, der lange nach dem Entstehen des Negativs - manchmal auch nach dem Tod des Fotografen - hergestellt wird.

Die Legitimation eines Modern Print, der als solcher gekennzeichnet sein sollte, erfolgt dann durch einen künstlerischen Nachlassverwalter.

Polaroid: Sofortbild, dessen Herstellungstechnik durch die USamerikanische Firma "Polaroid Corporation" weltweit bekannt wurde. 1948 verkaufte die Jordan Marsh Company in Boston die erste Kamera, bei der innerhalb einer Kassette das Negativ belichtet, entwickelt, fixiert und ausgeworfen wurde. Bei dem Verfahren entstanden Unikate, Abzüge waren nicht möglich. Inzwischen hat die Digitalfotografie das Sofortbild abgelöst: Die Polaroid Corporation beantragte Ende 2008 das Insolvenzverfahren.

Vintage Print: Abzug, den der Fotograf unmittelbar oder kurz nach Entstehen der Aufnahme selbst hergestellt hat oder herstellen ließ. Nach Anerkennung der Fotografie als Kunstform begannen Fotografen damit, diesen Status durch ihre Signatur und die Auflage durch eine Nummerierung zu dokumentieren. Im Kunsthandel werden Vintage Prints höher bewertet als Modern Prints, obwohl diese in der Regel vom selben Negativ abgezogen werden.

Kasten:

Die Spezialistin Priska Pasquer, Köln Am Anfang stand eigentlich nur der Wunsch, Menschen zu beraten, die sich ernsthaft für Fotografie interessieren: ihnen Sammlungskonzepte vorzuschlagen, Betrachtern die Möglichkeit eröffnen, auch Besitzer zu werden. Kunstgeschichte hatte Priska Pasquer ursprünglich studiert und währenddessen in der Galerie von Rudolf Kicken gearbeitet. In der dritten Etage einer alten Villa im Kölner Nordwesten machte sie sich 1996 schließlich selbständig - und überraschte gleich mit einem eigenständigen Profil: Die Galerie Pasquer steht für Fotokünstler, die eine ungewöhnliche Sicht auf die Welt und höchstes ästhetisches Niveau kennzeichnen. Dass der russische Maler, Architekt und Typograf El Lissitzky auch ein kleines fotografisches OEuvre hinterließ, wurde in Deutschland bekannt, seit Pasquer seinen Nachlass vertrat.

Neben der russischen wandte sie sich schnell auch der japanischen Fotografie zu, für die in der Galerie heute Pasquers Kollege Ferdinand Brüggemann verantwortlich zeichnet. Ausstellungen von in Deutschland bereits bekannteren Fotografen wie Daido Moriyama oder Asako Narahashi wechseln ab mit denen jüngerer Kollegen wie Ikko Narahara oder des 79-jährigen Shomei Tomatsu

Kasten:

Der Grandseigneur Rudolf Kicken, Berlin Der Urknall des europäischen Fotouniversums fand in einem Kinderzimmer in der Nähe des Aachener Doms statt. Hier gründete Rudolf Kicken 1974 gemeinsam mit seinem Freund Wilhelm Schürmann seine erste Fotogalerie. Eigentlich sollte der Unternehmersohn das Geschäft mit den Baustoffen lernen. Während seines Wirtschaftsstudiums in Bonn fuhr er dann aber heimlich mit dem Auto des Vaters nach Essen, um sich bei Otto Steinert an der legendären Folkwangschule zu bewerben - und wurde angenommen: "1973 merkte ich dann aber, dass ich vielleicht ein guter Fotograf, aber kein guter Künstler werden würde", erinnert sich der heute 62- Jährige. Das Medium Fotografie aber ließ ihn nicht mehr los. Nach einem Vortrag sprach Kicken deshalb einfach Harold Jones, den Direktor der berühmten New Yorker "Light Gallery", an und teilte ihm mit, er würde dessen Künstler gern in Deutschland vertreten - die Aachener Galerie Lichttropfen war geboren. "Fotografie war Subkultur", erinnert sich Kicken heute, "und ich wollte davon leben. Ich hatte sie nicht alle." Ein Harry-Callahan-Foto für 400 Dollar war der erste Verkauf, der auf dem 15- Quadratmeter-Stand auf der Art Basel Geld in die Kasse spülte. 30 Jahre später, nach Umzügen nach Köln und dann, der Liebe wegen, 2000 nach Berlin, ist Rudolf Kicken der Grandseigneur der europäischen Fotoszene.

Einen Abzug, den man bei Kicken nicht bekommen kann, scheint es nicht zu geben: Umbo und Werner Mantz, Jaromir Funke, Rudolf Koppitz und František Drtikol, Paul Strand und Ansel Adams, Diane Arbus, William Eggleston, Dieter Appelt und Heinrich Riebesehl. Zehn Jahre lang habe er einmal versucht, einen Abzug von Alexander Rodtschenkos "Frau mit Leica" zu bekommen, erinnert sich Kicken. Als das Bild dann endlich in seinem Büro hing, sah es dort ein Sammler - und kaufte es:

"Das ist das Schicksal eines Galeristen."

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Der Vermittler Thomas Zander, Köln Dass ausgerechnet Köln, die Geburtsstadt des europäischen Fotomarktes, kein eigenes Museum für diese Kunstgattung hat, ist nach wie vor absurd.

Seit aber vor sechs Jahren Thomas Zander mit seiner 1996 gegründeten Galerie in die Schönhauser Straße im Süden der Stadt umgezogen ist, fällt dieses Manko kaum noch ins Gewicht. In musealen Räumen zeigt der 47-Jährige dort, was eigentlich ins echte Museum gehört:

Fotokunst von internationalem Rang - von Stars, die er nicht nur verkauft, sondern professionell vertritt: Larry Sultan und Mitch Epstein, Henry Wessel und Lee Friedlander, Joel Meyerowitz und Lewis Baltz, Garry Winogrand und Victor Burgin. "Ich muss so hohe Standards setzen, damit die Sammler für unsere Ausstellungen nach Köln kommen", sagt Zander. "Und ich lasse sie nicht allein mit der Fotografie. Die Vermittlung ist für mich so wichtig wie die Präsentation." Seine Messestände - in Paris und Madrid, Basel und Brüssel - sind kuratierte Ausstellungen. Modefotografie und inszenierten Glamour findet man in Zanders strahlend weißen Galerieräumen nicht. Er konzentriert sich auf konzeptuelle Serien, die aus der Idee der Street Photography heraus entstanden sind: an öffentlichen Orten, die mehr hergeben als bloße Stadtbilder oder Landschaften. "Manchmal", sagt Zander und zieht einen Archivkarton mit großartigen Kontaktabzügen von Helen Levitt aus einem Regal, "wissen die Leute gar nicht, dass viele Fotografien in einer Galerie deutlich preiswerter sind als auf einer Auktion. Vielleicht sollten wir Fotogaleristen auf den Kunstmessen etwas selbstbewusster auftreten."

Kasten:

Der Entdecker Hendrik A. Berinson, Berlin Gehandelt, sagt Hendrik A. Berinson, habe er erst, als er kein Geld mehr hatte, um sich selbst Fotografien zu kaufen. Als Jugendlicher bekam er einen August-Sander-Bildband geschenkt. Zum 18.

Geburtstag wünschte er sich dann von seinen Eltern einen Originalabzug: "Ich hatte gespürt, dass Fotografie etwas ganz anderes leisten kann als Familienporträt und Schnappschuss. Und ich wollte selbst so etwas besitzen." Hugo Erfurth und Edmund Kesting, László Moholy-Nagy und Oskar Nerlinger, Franz Roh und Arthur "Weegee" Fellig - einen europäischen Markt für diese Fotografen, mit deren Handabzügen der 49-Jährige seit 1987 von Berlin aus handelt, gab es noch nicht, als Berinson irgendwann mit Originalabzügen im Koffer in die USA reiste und jene Fotogalerien abklapperte, deren Adressen er sich aus einem Buch herausgeschrieben hatte. Ein enormes Fachwissen, vor allem aber eine ausgeprägte visuelle Intelligenz ließ ihn im Laufe der Jahre zu einem der wichtigsten deutschen Fotogaleristen werden. Berinson ist der Forscher und Entdecker auf einem kleinen Markt, auf dem nur scheinbar jeder immer weiß, was zur Verfügung steht. In diesem Herbst überraschte er mit 88 Vintage Prints von Helmar Lerski aus einer Dresdner Privatsammlung.

Nicht alles, was er in Berlin zeigt, verkauft Berinson allerdings auch wieder. Manches bleibt im eigenen Besitz. Abzüge von Albert Renger-Patzsch etwa, für Berinson der bedeutendste deutsche Fotograf des beginnenden 20. Jahrhunderts, sammelt der Galerist selbst seit Jahren, um irgendwann eine grundlegende Retrospektive zeigen zu können.

Bildunterschrift:

Priska Pasquer mit Werken von Oliver Sieber (Doppelporträt), Josef Sudek, Jen Davis, Marcel Broodthaers (oben von links), Rudolf Bonvie, Daido Moriyama (unten)

Rudolf Kicken in seinem Berliner Büro mit Werken von André Kertész, Albert Renger-Patzsch, Man Ray, Heinrich Kühn,

Jaromír Funke, František Drtikol (links im Uhrzeigersinn), Otto Steinert (Mitte),

Erwin Blumenfeld (rechts)

Thomas Zander, Werke von links auf dem Boden: Larry Sultan, Victor Burgin, Lee Friedlander, Diane Arbus, Lewis Baltz. An der Wand hängen

Arbeiten von Robert Adams

Hendrik A., Berinson mit Werken von

Marianne Breslauer, Hannah Höch, Paul Citroen, Kurt Schwitters, Hein Gorny, Hugo Erfurth, Christian Schad, László

Moholy-Nagy (zweimal), Walter Peterhans, Albert Renger-Patzsch, Raoul Hausmann, Wols, László Moholy-Nagy, August Sander (links oben, rechts unten)

Beispiel für ein Fotogramm, in diesem Fall auf Postkartenpapier: eine Arbeit von László Moholy-Nagy aus dem Jahr 1922