Ausgabe: 12 / 2009
Seite: 92
Mach was draus!
Von Clemens Bomsdorf
The World Is Yours Louisiana Museum, Humlebæk, 5.9.-10.1.2010
KRITIK Im dänischen Museum wird eine Ausstellung mit Gegenwartskunst gezeigt - fast ein Kommentar zum Kopenhagener Klimagipfel
Vier Worte prangen in Leuchtbuchstaben auf dem Museumsdach: "The World Is Yours". Gardar Eide Einarssons Werk hat der Großausstellung mit zeitgenössischer Kunst - es ist die erste seit vielen Jahren - den Titel gegeben. "Die Welt gehört dir" wird für gewöhnlich als "du hast alle Möglichkeiten" verstanden. Die Kuratoren von Louisiana und ihre 24 Künstler jedenfalls nutzen sie (Katalog: 148 Kronen).
Gleich im ersten Raum endlich einmal eine Arbeit von Olafur Eliasson, die begeistert.
Der Island-Däne attackiert mehr als nur den Sehsinn. Hinter einer schweren Tür in einer auf minus zehn Grad gehaltenen Kältekammer steht sein für BMW hergestelltes Werk "Your Mobile Expectations:
BMW H2R Project". Das Fahrzeug ist kaum zu erkennen, eine filigrane Eisstruktur umschließt es - ein ästhetischer Genuss.
Beim Eintreten gibt es einen Kälteschock.
Das Objekt visuell wahrnehmend, kommt die Erkenntnis: Hier hat Eliasson BMW ein Schnippchen geschlagen. Er zeigt, dass die Art der automobilen Fortbewegung - auch wenn wasserstoffbetrieben - von gestern ist, als stamme sie von vor der letzten Eiszeit.
Dass alle Träume haben, illustriert die Chinesin Cao Fei. Sie filmt monoton in einer chinesischen Osram-Fabrik arbeitende Arbeiter. Dann treten die gleichen Menschen plötzlich als Tänzer oder Sänger auf - sie haben für Fei gezeigt, dass sie mehr als Fabrikmenschen sind. Das Museum verlassend hat man Gardar Eide Einarssons Leuchtbuchstabensatz "The World Is Yours" im Rücken. Das ist eben auch eine Mahnung, die man im Hinterkopf haben sollte: Die Welt gehört dir, mach was draus!
Bildunterschrift:
Eisiger Kommentar: "Your Mobile Expectations: BMW H2R Project", Arbeit von Olafur Eliasson (2007)
"Madonna vom Friesentor" (um 1360/70, Höhe 132 cm)
