Ausgabe: 12 / 2009
Seite: 94
Eine helle, souveräne Malerei
Von Adrienne Braun
VORSCHAU Eine zweigeteilte Retrospektive zeichnet den Weg nach von den provozierenden Anfängen des deutschen Malers bis hin zu seinem Spätwerk
Georg Baselitz Staatliche Kunsthalle/Museum Frieder Burda, Baden-Baden, 21.11.-14.3.2010
Seine Welt steht Kopf - seit Georg Baselitz sich 1969 entschied, die Motive konsequent umgekehrt zu malen. "Er hat sich vom rein Gegenständlichen entfernt", sagt der Ausstellungsmacher Götz Adriani, und dieser neue Umgang mit den Motiven war es, der Baselitz schlagartig bekannt machte.
In Baden-Baden findet nun eine "veritable Retrospektive" statt, wie Adriani es nennt. Die Kunsthalle zeigt die Skulpturen von Baselitz, während Adriani für das Museum Frieder Burda Malerei aus 50 Jahren zusammengestellt hat. "1959 hat Baselitz mit ernst zu nehmenden Porträts begonnen, die von der Malerei des 19. Jahrhunderts stark beeinflusst waren", sagt Adriani. Es folgen die Frakturbilder der sechziger Jahre, in denen Baselitz die Bildmotive in Streifen zergliedert, und es gibt etwa zehn der so genannten Heldenbilder - "das sind kaputte Helden, Selbstbildnisse des modernen Künstlers in einer kaputten Umwelt", so Adriani. Die Schau endet in der Gegenwart mit der Remix-Serie. Seit vier Jahren malt Baselitz, 71, seine alten Werke nach. "Er hat sich als älterer Meister auf seine Jugendwerke besonnen", sagt Adriani, "und bearbeitet die alten Motive aus einer völlig anderen Haltung." Die Remix-Motive seien nicht mehr so schwer und düster: "" (Katalog: Hatje Cantz Verlag, 24,80 Euro).
Nebenan in der Kunsthalle will die Direktorin Karola Kraus die Skulpturen mit Gemälden kombinieren. "Ich will aufzeigen, dass Baselitz in Malerei und Skulptur gleich arbeitet, wie er Figuration und Gegenständlichkeit auflöst." So wird zum Beispiel dem "Modell für eine Skulptur" von 1979 ein Gemälde ohne Titel von 1982 gegenübergestellt: Das Modell mit den Zügen von Adolf Hitler ist aus einem Baumstamm geschlagen - mit dem gereckten rechten Arm. Auf dem Gemälde ist die Hand gehoben und die Figur in Kuben zerlegt.
"Wie ein Schneemann", sagt Kraus, "das ist wichtig, wie er die Themen nicht nur in einem Medium bearbeitet" (Katalog:
Distanz Verlag, 29,90 Euro).
Noch mehr Baselitz gibt es bis zum 28. Februar 2010 in Dresden. Dort zeigen die Galerie Neue Meister und die Gemäldegalerie Alte Meister die Ausstellung "Dresdner Frauen" (Katalog: DuMont Buchverlag, 39,95 Euro), Baselitz-Werke, die in der Auseinandersetzung mit Dresden und seiner Geschichte entstanden sind. Darunter sind das Monumentalwerk "45" und "Dresdner Frauen", eine Gruppe gelb gefasster Großskulpturen.
Bildunterschrift:
Georg Baselitz: Ölgemälde "Orangenesser" (162 x 130 cm) aus dem Jahr 1982
