Ausgabe: 12 / 2009
Seite: 109
Wenn der LKW zum Kronleuchter wird
Von Dorothea Sundergeld
DESIGN Die Londoner Kuratorin Libby Sellers verändert mit ihren Pop-up-Ausstellungen die Designszene
Libby Sellers ist mitverantwortlich für das Design-Art- Phänomen, das in den letzten Jahren immer mehr limitierte Editionen und immer höhere Auktionspreise hervorgebracht hat. 2007 organisierte die ehemalige Kuratorin des Londoner Design Museum während der Frieze Art Fair ihre erste Ausstellung "Grandmateria" und zeigte Designunikate von aufstrebenden Talenten wie Stuart Haygarth, Peter Marigold und Julia Lohmann, die sie zum Teil direkt aus dem Studium rekrutierte. Haygarths Kronleuchter aus LKW-Rücklichtern, Marigolds filigrane Holzregale und Lohmanns Sitzmöbel aus Industrieseife waren extrem, experimentell - und die Ausstellung ein großer Erfolg. Einen festen Raum hat sie nicht. Statt dessen sucht die Londonerin leer stehende Räume, um ihre Pop-up-Ausstellungen zu inszenieren. "Was ich verkaufe, ist konzeptuelles, ausdrucksvolles Design", sagt Sellers, "aber keine Kunst! Design Art klingt immer so, als wäre Design die kleine Schwester der Kunst. Dabei ist das hochwertiges, handgemachtes Design gar kein neues Phänomen, sondern vielmehr eine Rückbesinnung auf traditionelle Herstellungsverfahren." Im Dezember wird Sellers während der Design Miami (1. bis 5. Dezember) neue Objekte der deutschen Designerin Julia Lohmann zeigen - Pferdeknochen, die diese beim Spazierengehen am Ufer der Themse gefunden hat.
Bildunterschrift:
Experimentelle Objekte (von links): Leuchte des Designers Stuart Haygarth, Regal von Peter Marigold und Stuhl von Luke Hayes
Libby Sellers, 36, organisiert Ausstellungen in Autowerkstätten und anderen ungewöhnlichen Orten
