Ausgabe: 12 / 2009
Seite: 107

Funtastisch

Von Till Briegleb

Spaß am Bau im Kampf gegen den Vandalismus aus Gewohnheit

KOLUMNE: AUSSER HAUS

In seinen Gewohnheiten ist der Mensch starr wie ein Bauwerk. Denkt er nicht darüber nach, isst er, geht er, putzt er sich immer gleich. Das kann üble Folgen haben - für die Gesundheit, die Umwelt, die Dinge und den Geist.

Um der Sturheit abzuhelfen, kann etwas Lenkung also nicht schaden. Dachte sich auch Volkswagen in Schweden. Deren Wettbewerb "Thefuntheory" fordert pfiffige Schweden auf, andere Schweden mit Spaß umzuerziehen. Weil Treppensteigen gesund ist, bekämpfte ein Teilnehmer Rolltreppen, indem er die unbenutzte feste Treppe daneben in ein Trittklavier umbaute. Erfolg? 66 Prozent mehr Bewegung auf der Stiege. Und Abfalleimer und Recyclingbehälter wurden mit Technik so umgebastelt, dass Wegwerfen zur Gaudi wird. So klein die Idee, so groß das Potenzial. Denn der Mensch will verführt werden. Und das geht am besten mit Charme. Hemmschwellen in Behörden, Angst auf Parkdecks, Langeweile in der Siedlung lassen sich mit überraschenden Pointen abbauen. Wären Architekten, Beamte und Ingenieure mal etwas mehr Spaßguerillero als korrekt, Vandalismus aus Gewohnheit ließe sich effektiv wegscherzen.

Wir brauchen also dringend eine Bauordnung "Spaß". Denn Freude ist der bessere Hausmeister.

Bildunterschrift: art-Autor

"Funtheory": Piano-Treppe in Stockholm