Ausgabe: 12 / 2009
Seite: 108

Happy Meal im McLouvre

Von Heinz Peter Schwerfel

FRANKREICH "Höhepunkt der Konsumkultur": Im Pariser Louvre sorgt eine neue McDonald's-Filiale für einen Sturm der Entrüstung

Frankreich, das sich gern als kulturelle Ausnahmenation und letzte europäische Trutzburg gegen den Siegeszug des globalisierten Konsumwahns feiert, streitet gerne über Geschmack. Ausgerechnet im heiligen Louvre durfte jetzt McDonald's, berüchtigster Vertreter einer von der französischen Kochkultur verhassten amerikanischen "malbouffe", besser bekannt als Junk Food, seine 1135. Filiale auf französischem Territorium eröffnen, Höhepunkt einer Geschichte von Liebe und Hass.

Denn nirgends außerhalb Nordamerikas ist McDonald's erfolgreicher, jährlich 450 Millionen Kunden besuchen die Frittenbude, und nirgends verhasster. Das mache den Weg frei für Discounter, moserte ein Kunstkritiker, der bereits Aldi und Lidl intraportas sieht, und in der Geschichte des Louvre sei das ein "Höhepunkt ermüdenden Konsumkults, schlechter Gastronomie und übler Gerüche", klagte ein Kurator, der anonym bleiben will. Die Position des Museums ist ähnlich: Man duckt sich weg.

Tatsache ist, dass das Museum jedes Jahr einen Anteil am Umsatz der Pächter erhält, im Jahr 2007 immerhin 5,68 Millionen Euro. Und dass es längst einen Virgin Megastore und bald einen großen Apple-Laden gibt.

Und was keiner laut ausspricht: Die McDonald's zugeschlagene Terrasse über einer noch leeren Halle am Rand der restaurierten Festungsmauern wird in drei Jahren auf die Kassenhäuschen der neugeplanten Eingangszone blicken und jährlich acht Millionen Kunsttouristen werden als erstes Werk von einem geschwungenen Fastfood-Logo gegrüßt, lange bevor sie zu Mona Lisas gerümpfter Nase kommen.

Bildunterschrift:

Big Macs statt Mona Lisa? Die Zukunftsvision der Illustratorin Cathy Wilcox

Think and Run: Der Videokünstler Bill Viola arbeitet bereits seit vier Jahren zusammen mit der Spieleentwicklerin Tracy Fullerton an einem Computerspiel. Statt dem bunten Geballere üblicher Spiele setzt Viola auf eine körnige, schwarzweiße Optik und meditative Spielführung, die sich mit Themen wie Licht und Finsternis, Geburt und Tod beschäftigt. "The Night Journey" soll im nächsten Jahr erscheinen.