Ausgabe: 11 / 2009
Seite: 192
Protokoll einer Lebensbeichte
Von
Christian Boltanski redet Klartext über Erinnerungskunst, Religion und Ehe
Das Thema seiner Kunst ist die Vergänglichkeit des Lebens. Wie sich das in Krisen entwickelte, wie er damit zu Weltruhm kam und reich wurde, verrät der 1944 als Jude geborene Franzose Christian Boltanski der Pariser Kuratorin Catherine Grenier in einem Dialog, dessen Wortprotokoll sich liest wie ein Künstlerroman von Balzac. Bis 1984 - da hatten seine Filme, Bücher, Tableaus und Fotos mit Vanitas- Motiven als "individuelle Mythologien" längst die Documenta bereichert - war seine Erinnerungskunst so gut wie unverkäuflich.
Erst als Boltanski seine Archive mit Bildern aus Todesanzeigen und Porträts von Mordopfern zu raumgreifend düsteren Installationen formierte, reagierten Publikum und Markt. Aber auch sein Verhältnis zur Religion und die Spielregeln seiner Ehe mit der Künstlerin Annette Messager erörtert der Autor. Einziger Kritikpunkt: Der Bildteil zitiert nur ein Werk und setzt Kenntnis der anderen voraus. A. N.
Barbara Catoir (Hrsg.): Christian Boltanski, Catherine Grenier.
Das mögliche Leben des Christian Boltanski. Verlag der Buchhandlung Walther König. 272 S., 27 Abb., 19,80 Euro
