Ausgabe: 11 / 2009
Seite: 196

Das Unsichtbare sichtbar machen

Von

Eine Beckmann-Monografie mit frischen Fakten

Neues vom deutschen Jahrhundertmaler Max Beckmann (1884 bis 1950) in einer exemplarisch geglückten, spannenden Monografie.

Gestützt auf unveröffentlichte Quellen und anhand einer Auswahl von rund 130 textnah kommentierten Werken (darunter vier Triptychen), apostrophiert Autor Uwe M. Schneede den im Kaiserreich angefeindeten und 1937 von den Nazis ins Exil getriebenen Großkünstler überzeugend als stets widerständigen "Maler seiner Zeit". Eine politische Perspektive, die aber Raum lässt für Beckmanns Zentralmotive Sündenfall und Geschlechterkonflikt, seine nie erörterte Kunstmarktstrategie und seine Affinität zur Theosophin Helena P. Blavatsky. Deren Geschwurbel diente Beckmann, zeigt Schneede, zum puren Fantasietransfer, nicht als Lebenshilfe. Sein Opus magnum krönt Schneede, der als Chef der Hamburger Kunsthalle einst die Selbstbildnisse ausgestellt hat, mit einem Exkurs über Maltechnik und Bedeutungsfindung des Malers, der "durch Realität das Unsichtbare sichtbar machen wollte". A. N.

Uwe M. Schneede: Max Beckmann - der Maler seiner Zeit. C.H. Beck Verlag. 302 S., 149 Abb., 58 Euro