Ausgabe: 11 / 2009
Seite: 200-201

Deutsch-deutsche Spurensuche

Von

20 Jahre Mauerfall: Fotografen ziehen Bilanz

20 Jahre ist es her, dass das inhumanste Bauwerk der Nachkriegszeit schließlich fiel, und dieses Datum nutzen eine ganze Reihe von Fotografen, um an jenes brutale Zeugnis der deutsch-deutschen Trennung und das damit verbundene Leid zu erinnern. Robert Häusser, 1952 selbst aus der DDR geflohen, kam 1983 nach Westberlin und hat in einem erstmals veröffentlichten Zyklus die ganze Scheußlichkeit aus Steinen, Stacheldraht und Spanischen Reitern in eindringlichen Schwarzweißbildern festgehalten. Sechs seiner Kollegen, darunter Peter Leske, Eberhard Klöppel und Gerhard Zwickert, dokumentierten Anfang 1990 die 1.549 Kilometer Grenzbefestigung, die Deutschland geteilt hatte.

Eine ganz andere Bestandsaufnahme legt Stephan Kaluza vor. Von Berlin-Schildow im Norden bis Berlin-Schönefeld im Süden ist er die 50 Kilometer abgefahren, wo einst die Grenze zwischen Ost und West verlief, und hat aus rund 30 000 Aufnahmen einen riesenlangen Fotostrip zusammengestellt:

Die Schatten der fast völlig verschwundenen Mauer lasten immer noch auf Häusern, Straßen und Plätzen.

Dass die Teilung auch das Land beschädigt hat, dokumentiert Janet Hesse. Die Fotografin hat ehemalige DDR-Bürger ausfindig gemacht, die einst zwangsumgesiedelt wurden, weil sie zu nahe an der innerdeutschen Grenze wohnten. In Interviews rekapitulieren die Betroffenen ihr Schicksal; die Bilder zeigen verwüstete Stätten, in die bis heute kein Leben zurückgekehrt ist. Grenzüberschreitend ist der Band von Harald Schmitt. Der "Stern"-Fotograf, der von 1977 bis 1983 von Ostberlin aus für das Magazin arbeitete, hat damals den gesamten Ostblock bereist, und weil er pompöse Staatsaktionen ebenso genau beobachtet hat wie den sozialistischen Alltag, belegen seine Aufnahmen jetzt auch, wie es zum Wendejahr 1989 kommen konnte. P. M.

Alfried Wieczorek, Claude W. Sui (Hrsg.): Robert Häusser.

Die Berliner Mauer. Edition Braus. 64 S., 25 Abb., 19,90 Euro T. O. Immisch, Olaf Kische, Sylvia Pollex (Hrsg.): Grenzfälle/ Falling Barriers. Kerber Verlag. 160 S., zahlr. Abb., 28 Euro Stephan Kaluza: Die (unsichtbare) Mauer. DuMont Buchverlag.

352 S., 320 Abb., 98 Euro Janet Hesse. Befriedet. Edel Verlag. 176 S., zahlr. Abb., 29,95 Euro Harald Schmitt: Sekunden, die Geschichte wurden. Steidl Verlag.

256 S., 120 Abb., 18 Euro

Bildunterschrift:

Harald Schmitt:

Lech Walesa beim Streik auf der Danziger Werft (1970).

Janet Hesse:

Schienen der stillgelegten Lokal bahn Tettau-Pressig.

Robert Häusser:

Berliner Mauer (1983), Westsektor