Ausgabe: 11 / 2009
Seite: 23

Hat der Kölner Dom ein Staubproblem?

Von

INTERVIEW MIT DER KÖLNER DOMBAUMEISTERIN BARBARA SCHOCK-WERNER

Ja, natürlich! Sechs Millionen Besucher pro Jahr bringen eine Menge Staub mit rein. Eine Analyse hat ergeben, dass der Staub im Dom zu 80 Prozent aus Textilfasern und Körperabrieb besteht. Die Schicht, die sich in Windeseile überall ablegt, muss professionell von Restauratoren entfernt werden.

Wie genau geht Ihr Team dabei vor?

Es gibt drei Ebenen: Fußböden, Kirchenbänke, Podeste machen Reinemachfrauen.

Alle empfindlichen Bereiche wie Chorgestühl, Domfiguren, Grabplatten oder Gitter entstaubt unsere Putzrestauratorin. Hochempfindliche Kunstwerke wie bemalte und geschnitzte Altäre werden regelmäßig von Fachrestauratoren in akribischer Feinarbeit gereinigt. Und der Kolonnenführer der Gerüstbauer seilt sich bei Bedarf vom Gewölbe herab und macht die Wände.

Wie gehen Sie vor? Benutzen Sie eher Staubsauger oder eher Zahnbürsten?

Sie werden lachen: Wir benutzen beides! Mit Lappen darf man nirgends ran. Der Staub wird mit Pinseln weggepinselt und dabei direkt mit einem Staubsauger aufgesaugt, denn sonst würde er sich ja sofort irgendwo anders wieder ablegen, und der ganze Aufwand wäre umsonst gewesen.

Was hinterlassen die Besucher noch außer "Textilfasern und Körperabrieb"?

95 Prozent benehmen sich tadellos, aber es gibt immer wieder ein paar, die ihr Butterbrotpapier liegen lassen oder Kaugummis unter die Bänke kleben. Außerdem verwechseln besonders asiatische Besucher gern unsere alten Opferstöcke mit Spucknäpfen - und verwenden sie auch so. Wir sind gerade dabei, mit der Kölner International School of Design einen neuen, zeitgemäßeren Typus zu entwickeln. Die Opferstockreinigung ist überhaupt ein Thema für sich, da Diebe sie immer wieder mit Papier verstopfen oder mit Wachs verkleben, um an das gespendete Geld zu kommen.

Bildunterschrift:

Dombaumeisterin Schock-Werner