Ausgabe: 11 / 2009
Seite: 185

... und es hat Boom gemacht

Von Claudia Herstatt

KUNSTMARKT Der Boom ist vorbei, die Blase geplatzt. Aber welche Künstler erweisen sich als krisenresistent und welche konnten ihren Wert wieder steigern?

Der Markt bestimmt den Preis. Das ist bei Kunst so wie bei jedem anderen Gut. Aber bestimmt der Markt auch dessen Wert? Verfolgt man die jüngsten Preisentwicklungen seit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers, so haben sich die Preise im Zeichen der Krise auf allen Ebenen nivelliert. Damien Hirst feierte seinen größten Triumph ausgerechnet an dem Tag des Bankencrashs. Von 2006 bis 2008 hatten sich seine Preise um 95,34 Prozent gesteigert. Dann ging es rapide abwärts, zunächst 33,86 Prozent und 2009 noch einmal minus 17,40 Prozent. Die viel beschworene Blase war für ihn zunächst einmal geplatzt.

Nun scheint es fast logisch, dass gerade da, wo die Preise unverantwortlich hochgeschnellt waren, sie auch am drastischsten wieder fallen müssen. Das gilt für Takashi Murakami ebenso wie für Richard Prince, für Sigmar Polke wie für Rosemarie Trockel. Vor der Krise sind aber nicht alle Künstler gleich:

Maurizio Cattelan konnte nach herben Einbrüchen im Jahr 2008/09 in diesem Jahr seine Preise mit einer Steigerung von 18,27 Prozent wieder festigen. Auch bei Neo Rauch und Olafur Eliasson geht es wieder aufwärts. Was beweist das nun über den aktuellen Marktwert der jeweiligen Künstler hinaus? Sollte sich an diesen Zahlen ablesen lassen, welche Kunst krisenresistent ist, welche nicht?

Dass so ein solider Arbeiter wie Stephan Balkenhol auch in schlechten Zeiten wenig zu fürchten hat, darf man voraussetzen.

Es fällt auf, dass die Künstler, die ihre Werke nicht inflationär auf den Markt schmeißen, offensichtlich das größere Vertrauen der Sammler genießen, etwa Maurizio Cattelan und Neo Rauch. Zahlenkolonnen, so verführerisch sie sich zur Interpretation anbieten, verraten jedoch nichts über die Qualität des einzelnen Werks und dessen Bestand oder Verschwinden im großen Sieb der Zeit.

Krisenzeiten können allerdings auch dazu anregen, sich wieder einmal zu fragen, was Kunst uns denn über den Marktwert hinaus "wert" ist. Dazu darf sie wieder mehr an der Oberfläche kratzen, in die Tiefe gehen und auch wieder politischer werden.

Der Essayist und Kritiker des Kunstbetriebs, Albrecht Fabri, schrieb bereits im Jahr 1989 der Kölner Galerie "Der Spiegel" in den Katalog: "Kein Grund zur Sorge. Sie (die Kunst) hat schon anderes überstanden als Sotheby's, den Stephan-Lochner-Preis und die Biennale."

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Bergauf, bergab: Der Marktwert