Ausgabe: 11 / 2009
Seite: 181
"Wir haben alle Mauern im Kopf"
Von
art: Herr Jampol, woher kommt Ihr Interesse an DDR-Geschichte?
Justinian Jampol: Ich habe mich schon immer für Politik und Ikonografie interessiert. Persönliche Beziehungen zu Deutschland hatte ich zunächst nicht. Ich bin in Los Angeles geboren und stamme aus einer Familie mit ukrainisch-jüdischen Wurzeln.
Ist es nicht seltsam, dass Ihr Museum in L. A. und nicht in Berlin ist?
Deutsche Museen tun sich immer noch schwer mit der Aufarbeitung der jüngeren Vergangenheit. Seit der Wende werden in den ehemaligen kommunistischen Staaten Denkmäler zerstört, Dokumente vernichtet und Konsumprodukte durch globale Marken ersetzt. Wir wollen diese Artefakte schützen und für Forschungszwecke zugänglich machen.
Was bezwecken Sie mit dem "Wall Project" und der Straßenblockade?
Der Hauptzweck ist es, eine Beziehung zu einem historischen Ereignis herzustellen. Mauern gibt es in vielen Formen und Größen. Unsere Mauer ist sicher nicht mit der Berliner Mauer vergleichbar. Aber wir haben alle Mauern im Kopf und kämpfen darum, sie zu überwinden.
Das Projekt wurde übrigens von der Stadtverwaltung einstimmig genehmigt.
Hier gibt es schon lange Verbindungen zu Deutschland. L. A. ist die Heimat der Exilanten und die Partnerstadt von Berlin.
Bildunterschrift:
Experte für DDR-Geschichte und sozialistische Ikonografie:
Justinian Jampol, Direktor des "Wende Museum" in Los Angeles
