Ausgabe: 10 / 2009
Seite: 21
Wie bereitet sich die Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle darauf vor?
Von
INTERVIEW MIT DIPLOM-RESTAURATORIN BARBARA SOMMERMEYER ÜBER DAS ENDE DER GLÜHLAMPEN
Seit dem 1. September verbietet eine EU-Richtlinie den Verkauf von klaren Glühlampen ab 80 Watt und den von matten komplett. In meinem Bereich, Kunst ab 1960, betrifft dies neun Werke. Wir haben uns darauf vorbereitet und einen großen Vorrat angelegt.
Wie lange soll der Vorrat reichen?
100 Jahre könnte der schon reichen. Aber was in 100 Jahren ist, kann man ja sowieso nicht sagen.
Kann man bei Kunstwerken überhaupt Bestandteile austauschen, ohne die Echtheit zu gefährden?
Das kommt drauf an: Wenn die Form der Glühlampen eine Rolle spielt, sollte man keine mit einer anderen Form oder Größe nehmen.
Wenn es auf die Wirkung des Lichts ankommt, ist es auch schwierig, weil Energiesparlampen zurzeit noch ein sehr kaltes Licht erzeugen.
Ilya Kabakovs Rauminstallation "Healing with Paintings" zum Beispiel lebt von dem warmen, schummrigen Licht einer 15-Watt-Glühlampe.
Was passiert, wenn kein Nachschub an Originallampen zu finden ist?
Bei Haegue Yangs "Series of Vulnerable Arrangements" spielen an einer Skulptur rote, warmtonige Leuchtmittel eine Rolle. Für eine kaputte LED-Lampe konnte ich noch keinen Ersatz finden und musste eine eckige Lampe nehmen, womit ich unzufrieden bin. Zur Not müssen wir die Lampe nachbauen, oder das Werk ist nicht mehr ausstellbar.
Sprechen Sie mit den Künstlern über solche Eingriffe?
Natürlich, aber zuerst versuche ich selbst eine Lösung zu finden. Falls ich nicht weiterkomme, wende ich mich an die Galerie, den Assistenten oder den Künstler direkt. Die Kunstwerke sind sehr unterschiedlich.
Ich versuche, ihre wesentlichen Details zu erkennen, wenn ich mich um Ersatz kümmere, und habe immer verschiedene Lösungsvorschläge parat, wenn ich mit den Künstlern spreche.
Sind Energiesparlampen denn keine Option?
Zurzeit erzeugen sie, wie gesagt, noch ein sehr kühles Licht. Ich bin aber optimistisch, dass sich noch viel tun wird und wir schon bald aus einer größeren Bandbreite an Lichtqualität auswäh len können. Die Industrie wird auf diesen Hauptkritikpunkt sicherlich schnell reagieren.
Bildunterschrift:
Braucht Licht: Christian Boltanskis "Réserve: Les Suisses Morts" (1990)
