Ausgabe: 10 / 2009
Seite: 106-107

Kräftemessen mit den Stilen

Von Michael Kohler

VORSCHAU Mit großen Gesten und auf Riesenleinwänden verleiht der deutsche Künstler Markus Lüpertz selbst banalsten Motiven das Pathos von Historienbildern

Um starke Sprüche war Markus Lüpertz nie verlegen - etwa "Ich bin das Volk, das malt", weshalb man seine öffentliche Wirkung von seinem Werk oft nicht trennen kann. Seit bald einem halben Jahrhundert kämpft Lüpertz einen heroischen Kampf gegen den Kleinmut der klassischen Künste und verausgabt sich dafür in aufbrausenden Interviews ebenso eindrucksvoll wie in seinen hymnischen Bildgesängen.

Mitte der sechziger Jahre hatte er begonnen, die ihm blutleer erscheinende abstrakte Malerei durch große Gesten und ebensolche Formate zu verdrängen, wobei er seine "Wildheit" schon damals mit einem traditionellen Handwerksethos dämpfte. Lüpertz tüftelt so intensiv an Komposition und Farben, dass seine Motive mitunter zweitrangig erscheinen: Am Anfang setzte er Holzschindeln, Dachpfannen, Telegrafenmasten oder Tunnel auf die Leinwand, wie um zu beweisen, dass selbst im banalsten Gegenstand ein Motiv schläft. Später verlieh er Stahlhelm, Brustpanzer und Ähre ein Pathos zwischen Stillleben und Historienmalerei.

Mit ihrer Retrospektive blickt die Kunstund Ausstellungshalle über die berühmten frühen Werkgruppen, die Dithyramben und deutschen Motive hinaus (Katalog: Snoeck Verlag, 68 Euro). Die Schau beginnt mit Lüpertz' bunt-schnatternder Donald-Duck- Serie von 1963, präsentiert sein in den siebziger Jahren einsetzendes Kräftemessen mit Malern und Stilen der klassischen Moderne, dann spätere Motivreihen wie "Männer ohne Frauen". 130 Gemälde und Skulpturen werden in Bonn gezeigt, die spätesten stammen aus den letzten Jahren und belegen Lüpertz' anhaltendes Interesse an handwerklichen Fragen sowie an klassischen Themen wie Paradies und Sterblichkeit.

Markus Lüpertz Kunst- und Ausstellungshalle, Bonn, 9.10.-17.1.2010

Bildunterschrift:

"Dithyrambe - schwebend" (1964, 200 x 195 cm).

Den Dithyrambus, eine Hymne an Dionysos, wählte Lüpertz als Synonym für seine Mal-Lust. Der Begriff hatte für ihn etwa die gleiche Bedeutung wie "Dada" für Hans Arp oder "MERZ" für Kurt Schwitters