Ausgabe: 10 / 2009
Seite: 123

Diegos Rache

Von Marcus Clauer

KRIMI Im Fall von 1000 mutmaßlichen Giacometti- Fälschungen spielt ein ominöser Reichsgraf eine dunkle Rolle

Nahe Mainz hob die Polizei ein Lager mit 1000 gefälschten Bronzen und Gipsen des Schweizer Bildhauers Alberto Giacometti (1901 bis 1966) aus. Als Drahtzieher des Schwindels sitzen ein 61-jähriger Mainzer Kunsthändler, seine Frau und ein 59-Jähriger, der als "Reichsgraf" firmiert, in Untersuchungshaft. Das Trio, das die Fälschungen seit 2004 international zu Preisen zwischen 40 000 Euro und 35 Millionen Euro angeboten hat, ist bekannt: Gegen den Kunsthändler läuft derzeit vor dem Stuttgarter Landgericht ein Prozess.

Der Reichsgraf ist in diesem Verfahren als Zeuge aufgetreten.

Als Autor mehrerer Giacometti- Bücher sollte er die Echtheit von Werken bezeugen. Vor Gericht aber räumte er ein, nur Autodidakt in Sachen Kunst zu sein und vieles in seinen Büchern erfunden zu haben. Im neuesten Fall trat der Reichsgraf selbst als Verkäufer im Auftrag des Mainzer Kunsthändlers auf. Er gab sich als Freund von Giacomettis 1985 gestorbenen Bruder Diego aus. Die angebotenen Werke stammten aus dessen geheimen Depot, erklärte er.

Neben Zertifikaten legte er auch sein in Kleinstauflage erschienenes Buch "" vor, das seine Geschichte stützen sollte. Der Berner Kunsthändler und Giacometti-Experte Eberhard W. Kornfeld, tatsächlich ein Freund von Diego Giacometti, kennt das Buch und bestätigte, dass der Autor Lothar Senke Graf von Waldstein identisch mit dem Verhafteten sei.

Sein Buch enthalte "erstaunliche Details", doch sei sein Name im Umfeld von Diego nie gefallen.

Auch Kornfeld wurde eine Bronze angeboten, schon 2004.

"Sie war billig gemacht", sagt Kornfeld. Auch die Echtheitszertifikate seien "höchst primitiv" gewesen. Nun prüfen Experten den Fund. Beim Landeskriminalamt in Stuttgart heißt es nur:

"Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt erst."

Bildunterschrift:

LKA-Mitarbeiter Horst Haug präsentiert eine mutmaßliche Fälschung