Ausgabe: 01 / 2009
Seite: 119
Eine Frau mit Schmiss
Von Birgit Sonna
Museum: Gaensheimer leitet das Frankfurter MMK
Frauen in der Spitzenposition eines Museums findet man in Deutschland sehr selten. Dass Susanne Gaensheimer, bislang Kuratorin für Gegenwartskunst und Sammlungsleiterin im Münchner Lenbachhaus, eines Tages den Weg durchs Nadelöhr schaffen würde, war zu ahnen. Die 41-Jährige hat den nötigen Schmiss, mit dem sich sowohl der kulturpolitische Auftrag des Museums wie auch unpopulärere künstlerische Positionen durchsetzen lassen.
Nun übernimmt sie im Januar die Leitung des Frankfurter Museums für Moderne Kunst (MMK).
Sie lobt die Arbeit ihres Vorgängers:
"Mir gefällt an Udo Kittelmann, wie geschickt er vor allem die Kunst der neunziger Jahre auszubauen und Teile der Sammlung Ricke ans Museum zu binden wusste." Für München ist Gaensheimers Weggang ein herber Verlust.
Sie hat mit James Coleman, Thomas Demand, Isa Genzken intensiv an Einzelausstellungen gearbeitet. Und sie betonte stets die junge Kunst als Ferment der städtischen Szene etwa mit der von ihr konzipierten Nachwuchsschau "Die Favoriten".
Warum man sich wohl in Frankfurt für Gaensheimer entschieden hat? "Sie wollten unbedingt eine Frau, weil es sich dort bislang um eine ziemlich männerlastige Museumswelt handelt", glaubt sie.
"Dass ich aus einem Städtischen Museum komme und fruchtbar mit anderen Institutionen zusammengearbeitet habe, wirkte sich bestimmt positiv aus." Mit Max Hollein, dem Direktor der Frankfurter Schirn-Kunsthalle, des Städel-Museums und des Liebieghauses, wurde bereits eine erste Kooperation vereinbart: eine Gemeinschaftsschau über den Konzeptkünstler Peter Roehr. Da kündigt sich durchaus ein synergetisches Nachbarschaftsverhältnis an.
Auch die prekäre Finanzlage am MMK fürchtet Gaensheimer nicht: "Mir ist klar, dass man Gelder akquirieren muss." Wie aber möchte Sie das etwas verkrustete Profil des Museums auffrischen?
"Ich habe am Lenbachhaus gute Erfahrungen damit gemacht, immer andere Perspektiven auf die Sammlung zu werfen. Man muss sie lebendig halten." Den Auftakt bildet eine hauseigene Schau über Pop Art und Minimalismus, zu der Sarah Morris den zeitgenössischen Akzent setzt
Internet: www.mmk-frankfurt.de
Bildunterschrift:
Neue Chefin des Frankfurter MMK: Susanne Gaensheimer
