Ausgabe: 01 / 2009
Seite: 118

Zu teuer oder zu profan

Von Ute Diehl

Politik: Schwere Zeiten für die zeitgenössische Kunst in Italien

Der traditionell linke Kulturbetrieb in Italien hat seit dem Regierungswechsel im Mai einen schweren Stand: Gerade die zeitgenössische Kunst findet unter den Anhängern der Rechtsparteien wenige Fürsprecher. Kaum verwunderlich, da doch selbst Kulturminister Sandro Bondi einen zweitklassigen Künstler wie Pietro Cascella (1921 bis 2008), der das Mausoleum für die Familie von Regierungschef Silvio Berlusconi entwarf, für den "größten Interpreten der zeitgenössischen Bildhauerei" hält. Als Kuratoren für den italienischen Pavillon der Venedig-Biennale 2009 ernannte eben dieser Kulturminister die konservativen Kritiker Luca Beatrice und Beatrice Buscaroli, die für "Il Giorna le" schreiben, ein Blatt der Familie Berlusconi.

In Rom setzte Kulturdezernent Umberto Croppi kurzerhand den Leiter des Städtischen Museums für Zeitgenössische Kunst auf die Straße. Im Herbst endete das Ausstellungsprogramm des Hauses.

"Die Unterhalts kosten von jährlich sechs Millionen Euro sind zu hoch", so Croppi, der das Museum in eine Stiftung verwandeln will. In Neapel siecht derweil der Palazzo delle Arti N poli dahin.

Das 2005 eingeweihte Museum für zeitgenössische Kunst wurde anfangs mit sieben Millionen Euro unterstützt. Dann sanken die Zuschüsse für das städtisch geförderte Haus stetig. Denn Kunst und Kultur sollen künftig mehr ein bringen und weniger kosten.

Dafür soll landesweit ein Manager sorgen: Der Auserwählte heißt Mario Resca und hat zwölf Jahre McDonald's Italien geleitet.

Doch es geht nicht nur um Geld: So genügte ein Protestbrief, den der italienische Schlagertexter Mogol an Bondi schrieb, um ein ungewöhnliches Projekt zu gefährden. Seit 2002 hatten im Kloster von Padula nahe Salerno Künstler wie Anish Kapoor und Franz West gearbeitet und Werke als Geschenk für das geplante Museum "Core" hier hinterlassen.

Mogol aber befand, das Kloster werde durch diese Objekte "profanisiert".

Sofort berief Bondi eine Kommission, die Richtlinien für die Nutzung wertvoller Baudenkmäler durch zeitgenössische Kunst regeln soll. Die Leiterin der Kartause von Padula löste das Problem so: Bei der Standardbesichtigung trifft kein Besucher mehr auf die Kunst werke. Auf Wunsch aber gibt es eine Gratisführung durch die Sammlung.

Bildunterschrift:

Das Kloster von Padula zeigt seine Sammlung zeitgenössischer Kunst nur noch auf ausdrücklichen Wunsch

Kaum Geld: Palazzo delle Arti Napoli