Ausgabe: 01 / 2009
Seite: 113

Franco Stella

Von Ute Diehl

Nach dem Anruf aus Berlin habe er in der Nacht vor Aufregung nicht schlafen können, sagt , 65. Nun klingelt dauernd das Telefon in seinem Haus in Vicenza. Die deutschen Journalisten wollen wissen: Wer ist eigentlich Franco Stella, dem die Bundesregierung das Jahrhundertprojekt anvertraut? Doch auch in Italien ist der Universitätsprofessor bisher nur in Fachkreisen bekannt. Er wurde 1943 in Thiene bei Vicenza geboren. 1968 schloss er sein Studium beim berühmten Stadtplaner Giuseppe Samonà in Venedig ab und lehrte seit 1976 an eben dieser Universität. 1990 erhielt er einen Lehrauftrag für Architekturentwurf in Genua.

hatte immer eine Schwäche für Deutschland, vor allem für Berlin. Er spricht gut Deutsch. Zu seinen Freunden in der Hauptstadt gehört der ehemalige Senatsbaudirektor Hans Stimmann, ein Befürworter des Schlossbaus. Oft heißt es, Stella habe mit Aldo Rossi zusammengearbeitet.

"Das stimmt nicht", sagt Stella, "ich habe Aldo Rossi nie persönlich kennen gelernt, aber er gehört zu den Architekten, die ich besonders schätze." 2002 wurde Stellas Erweiterungsbau für das aus den zwanziger Jahren stammende Messegelände in Padua eingeweiht. An den alten Gebäudekomplex im Stil des streng nüchternen Rationalismus hat Stella nahtlos einen Neubau angefügt und damit sein zentrales Anliegen verwirklicht: das "Weiterbauen historischer Gebäude". Er will nun auch in Berlin "die barocken Vorgaben weiterbauen". So störte es ihn auch nicht, dass der Rahmen für das Projekt Humboldt-Forum so eng gesteckt war.