Ausgabe: 01 / 2009
Seite: 115
Zwei Sieneser im Exil
Von Hans Pietsch
Entdeckung: Tafelbilder der italienischen Renaissance
Lange hatten die beiden Tafelbilder in einer dunklen Nebenkapelle der anglikanischen Kirche im nordostenglischen Bergarbeiterdorf Goldthorpe unbeachtet ein tristes Dasein gefristet. Bis schließlich neugierige Kirchenleute sich um eine Zuschreibung der Werke bemühten und deshalb das Auktionshaus Christie's um Hilfe baten. Aus New York wurde Everett Fahy vom Metropolitan Museum hinzugezogen. Der Experte identifizierte beide Bilder als Werke des Sieneser Renaissance- Meisters Sano di Pietro (1405 bis 1481). Die fast lebensgroßen Darstellungen, so Fahy, zeigen den heiligen Bernhard sowie einen anderen unbekannten Heiligen und gehörten vermutlich zu einem großen toskanischen Altarbild.
Wie die beiden Tafelbilder nach Goldthorpe kamen, ist unklar.
Alles deutet jedoch auf Lord Halifax hin, der im nahe gelegenen Schloss Hickleton Hall residierte und 1916 den Bau der neogotischen Kirche von Goldthorpe finanzierte. Der Adlige könnte sie auf einer Italienreise erstanden haben, oder sie stammen aus seinem Familienbesitz. Auch ist nicht dokumentiert, ob sie ein Geschenk waren oder als Leihgabe in der Kirche hingen. Die zuständige Diözese Sheffield beschloss nun, sie vorübergehend im Museum der Provinzhauptstadt York auszustellen.
Im Frühjahr sollen sie für fünf Jahre in die dortige Kathedrale kommen. Von einem Verkauf der auf rund 350 000 Euro geschätzten Werke ist noch nicht die Rede.
Bildunterschrift:
Von Sano di Pietro: heiliger Bernhard (rechts) und unbekannter Heiliger
