Ausgabe: 01 / 2009
Seite: 117
Deutsch-französische Affäre
Von Kito Nedo
Austausch: Pariser Galerien zu Gast bei Kollegen in Berlin
Dass Berlins Magnetismus auf Künstler, Galeristen und Sammler auf der ganzen Welt immer noch wirkt, gehört zu den Binsenweisheiten des aktuellen Kunstgeschehens. Auch die Franzosen machen da keine Ausnahme.
Spannender ist jedoch die Frage, ob die Anziehungskraft auch umgekehrt funktioniert: Interessiert sich die Berliner Kunstszene für Paris? Gemessen an der Bereitwilligkeit, mit der sich elf Galeristen der deutschen Hauptstadt, darunter Christian Nagel, Esther Schipper, Mehdi Chouakri oder Johann König, für einen zehntägigen Galerientausch begeistern ließen, fällt die Antwort positiv aus.
Im Januar werden 13 Galerien aus Paris mit ihrer Kunst für zehn Tage zu Gast in den Häusern ihrer Berliner Kollegen sein.
Im Februar dann heißen sie im Gegenzug die Berliner in Paris willkommen.
Ausgedacht hat sich das Cédric Aurelle, der Leiter des "Bureau des Arts Plastiques" an der Französischen Botschaft in Deutschland:
"Uns geht es darum, neue Netzwerke zu knüpfen oder bestehende Verbindungen zu stärken." Für die französischen Künstler erhofft sich der Kunstlobbyist eine sofortige Sichtbarkeit, schließlich würden ihre Werke "im Kern der Szene" und nicht in einer musealen Umgebung gezeigt. Die teil nehmenden Galerien, so betont Aurelle, erhielten für die Aktion keine finanzielle Unterstützung.
Die Botschaft trage lediglich die Kosten für Presse und Marketing - immerhin 30 000 bis 40 000 Euro.
Auch wenn die wirtschaftlichen Hoffnungen bei den Berliner Galeristen eher gedämpft sind, so wollen auch sie ihre zehn Tage in Paris optimal nutzen. Giti Nourbakhsch etwa bringt mit Vincent Tavenne einen in Berlin lebenden Franzosen an die Seine, dem die Galeristin in Frankreich zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen will.
Ihre Kollegin Sassa Trülzsch wird in den Räumen von Lucile Corty eine Gruppenausstellung mit Werken von vier ihrer Künstler zeigen.
Zudem will sie in Paris Ateliers besuchen. Etwaige Entdeckungen sollen bald darauf in Berlin präsentiert werden - freilich ganz ohne kulturdiplomatisches Protokoll.
Internet: www.berlin-paris.fr
Bildunterschrift:
Standortwechsel: Der Berliner Galerist Jan Wentrup (links) nimmt an dem Kunstaustausch ebenso teil wie die Pariser Galerie In Situ
Kunstlobbyist Cédric Aurelle
