Ausgabe: 01 / 2009
Seite: 116

Istanbul gehört nach Kanada

Von Hans Pietsch

Auktion: Sotheby's versteigert restituiertes Kokoschka-Bild

Vor dem Krieg besaß der jüdische Geschäftsmann Oskar Federer eine umfangreiche Kunstsammlung mit Werken von Vincent van Gogh, Lovis Corinth, Edvard Munch, Oskar Kokoschka und tschechischen Künstlern wie Otakar Nejedly. Nur vier Werke konnte der Direktor einer Eisenhütte im nordmährischen Vitkovice 1939 nach Kanada retten, nachdem er schon seine Familie dorthin evakuiert hatte. Der Rest wurde von den Nazis beschlagnahmt und nach dem Krieg in alle Winde verstreut. Über 20 Gemälde wurden von den tschechoslowakischen Behörden konfisziert und kamen in den Besitz der Museen von Ostrava und Pardubice.

1991 machten die drei Enkel des Sammlers unter Führung des kanadischen Bankiers Andrew Fe derer, 46, einen ersten Versuch, diese Werke zurückzubekommen.

Er scheiterte, denn damals durfte Raubgut nur an tschechische Staatsbürger rückerstattet werden.

Als das per Gesetz geändert wurde, wandte der Erbe sich erneut an die Gerichte. Im November 2007 entschied der Oberste Gerichtshof endgültig zu seinen Gunsten, einer Rückführung stand nun nichts mehr im Weg.

Nun soll am 3. Februar ein Werk von Oskar Kokoschka (1886 bis 1980) aus Federers Sammlung bei Sotheby's in London unter den Hammer kommen. "Istanbul I" ist eine Stadtansicht, mit Blick über den Bosporus auf die Altstadt, die im Juni 1929 während einer ausgedehnten Nahostreise des österreichischen Malers entstand. Der Schätzpreis liegt bei 1,2 bis 1,8 Millionen Pfund

Internet: www.sothebys.com

Bildunterschrift:

Bei einer Nahostreise malte Kokoschka "Istanbul I" (1929, 80 x 111 cm)